-nf am Wortende · hungrig, satt, durstig · unleugbar, Inflektiv, Erikativ · des Nachts · buchhalterisch · Pangramm: Satz mit allen Buchstaben des Alphabets · Isogramme: Wörter ohne doppelte Buchstaben · Plenk, plenken · *plonk*, plonken · Re: · Rekorde · Doppelt genäht hält besser? · Verneinte Fragen · Das Ding an der Kasse · Wortschatz

Rätsel, Rekorde und anderes zum Thema Sprache


Welche Wörter enden auf nf?

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ein Glas Senf, ein Bündel Hanffasern, eine Karte von Genf und ein Würfel, der fünf Augen zeigt

  • Kanonische Antwort:

    fünf, Genf, Hanf, Senf.

  • Antwort für Witzbolde:

    • einhundertundfünf, zweihundertfünf, dreihundertfünf, …

    • Faserhanf, Industriehanf, Manilahanf, Sisalhanf, …

    • Ackersenf, Löwensenf, Tafelsenf, Tubensenf, …

    Aus dem ersten Schema ergeben sich dabei nicht — wie oft fälschlich behauptet — »unendlich viele« Wörter auf nf, sondern lediglich 9999 zusätzliche, da nur Zahlen unter einer Million in einem Wort geschrieben werden: eine Million neun­hundert­neun­und­neunzig­tausend­neun­hundert­und­fünf (1.999.905, drei Wörter). Siehe auch weiter unten zum Wortschatz von Sprachen.

    Antworten dieser Art werden oft durch Einschränkung auf die einsilbigen oder nicht zusammengesetzten Wörter mit »-nf« ausgeschlossen.

  • Das fünfte Wort:

    Sernf.

    Der Sernf ist ein Bach, der in der Nähe des Ortes Elm im Kanton Glarus (Schweiz) entspringt. Seit der 21. Auflage des Dudens ist der Name auch dort verzeichnet — sicherlich nicht zuletzt aufgrund seiner beiden letzten Buchstaben. Seit der 22. Auflage schreibt der Duden »die Sernf«.

  • Antwort für Möchtegernschlauberger:

    »S-chanf«.

    Der Name dieses Ortes im Engadin (Postleitzahl CH-7525) ist rätoromanischer Herkunft, nicht deutscher, und fällt daher leider aus der Wertung.

  • Antwort für Gauner:

    Die 4. Auflage (1997) des Duden-Bandes Richtiges und gutes Deutsch nennt als weitere Lösung auf Seite 535 das Wort Ganf als Nebenform von Ganeff (= Ganove) aus dem Rotwelschen.

    (Der Titel des im Dezember 2004 erschienenen Heftes 42 der Science-Fiction-Serie Bad Earth aus dem Bastei-Verlag lautete übrigens Der letzte Ganf (der Ganf, des Ganf[s] (uneinheitlich im Heft), die Ganfs). Ganf ist dabei der Name eines — wie der Hefttitel schon suggeriert — ausgestorbenen Volks des Planeten Kalser und steht wohl nicht mit obigem Ganeff in Verbindung. Möglicherweise entwickeln sich erfundene Antworten auf die nf-Frage zum Running Gag unter Literaten; siehe auch Donf und Gennf.)

  • Antwort für C-Programmierer:

    scanf.

    (Erläuterung für Nicht-C-Programmierer: scanf() ist eine Funktion zum Lesen (daher scan) formatierter (daher f) Eingaben, und Witze sollte man besser nicht erklären.)

  • Antwort für Fantasy-Rollenspieler:

    Donf; eine in fast ganz Aventurien vorkommende Sumpfpflanze mit fingerdickem Stengel und violetter Blüte. D.-Stengel sind dem Heilungsprozeß bei vielerlei Krankheiten dienlich.

    (Thomas Römer et al.: Aventurien — Das Lexikon des Schwarzen Auges)

  • Antwort für Freunde moderner Märchen:

    Gennf, das: Faulgas, das von Zeitschnecken ausgeschieden wird. Eines der großen Mysterien des Universums ist die Frage, wohin die Zeit verschwindet. […] Die Antwort ist: Die Zeit fließt in die Dimensionslöcher. […] Würde die Zeit aber lediglich durch die Dimensionslöcher in andere Dimensionen fließen, würden irgendwann diese Dimensionen platzen. Abhilfe dafür liefern die Zeitschnecken. Sie sitzen an den Rändern von Dimensionslöchern und fressen die hereinrinnende Zeit, die sie umgehend verdauen und als leicht übelriechendes Faulgas wieder absondern […].

    (Walter Moers: Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär)

  • Antwort für Heimcomputernostalgiker:

    Super Glazz wird auf einem 8 mal 7 Felder großen Spielfeld, dem Pnunf, gespielt. Die Felder heißen Plunze. Wer am Zug ist, hat einen Banuz. Sieben Banuze sind ein Palawaum. Hat ein Spieler einen Palawaum in der ersten Runde erreicht, so erhält er einen Gahleff. Er kann sich diesen gutschreiben lassen oder eine neue Runde beginnen. Als Erster ist der Spieler am Zug, der entweder zuletzt einen Palawaum hatte oder einen Gahleff gutschreiben ließ, während sein Gegner gerade einen Banuz hatte. Wer keinen Banuz hat, aber einen Palawaum erreichen konnte, ist ein Pflunz. Ein Pflunz, der einen Palawaum bekommt, während sein Mitspieler gerade sich einen Gahleff gutschreibt, bekommt einen Onsel und scheidet aus. […]

    (aus der Anleitung zu einer Commodore-64-Spieleparodie, ca. 1983)

  • Obskureres:

    Im Grimm finden sich sanf und senf als »nachlässige« Schreibung oder Aussprache von sanft. Im Mittelhochdeutschen ist zunf als Variante von Zunft belegt (Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch; ebenso im Grimm unter gipser sowie als gezunf unter gezunft), im Althochdeutschen kunf für [An]kunft (Rudolf Schützeichel: Althochdeutsches Wörterbuch). Unklar bleibt die Bedeutung von schinf in einer Belegstelle zu Griff im Grimm (Band 9, Spalte 290).

  • Abteilung knapp daneben:

    Die dialektale Bezeichnung für das Brotende heißt Ranft, nicht Ranf, wenngleich im Grimm immerhin die Variante Ranff belegt ist. Ranf findet sich ebenfalls im Grimm, jedoch nur als lombardischer Verwandter von Krampf.

    Der Name des Flüßchens bei Schwalmstadt in Hessen ist Grenff, nicht Grenf. Der Skiort in Alberta im Westen Kanadas schreibt sich Banff, nicht Bannf, wäre jedoch ohnehin nicht als deutsches Wort durchgekommen. Und Familiennamen auf nf scheinen als Antwort auf diese Rätselfrage ebenfalls nicht erwünscht.

    Bisher ungeklärt ist, ob der in Adelungs Wörterbuch aufgeführte regionale Begriff für Heuschober (siehe dort) Dunf oder Duuf lautet. Jedoch wird in dem 1781 — also ungefähr zur gleichen Zeit — erschienenen Werk Oeconomische Encyclopädie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft (von Johann Georg Krünitz und anderen) Duuf im Sinne von Heuhaufen verwendet.

-nf ist übrigens keine »Endsilbe«, und die »Worte mit der Endung nf« wären bei Puristen eher Wörter.

Woher stammt dieses Rätsel? Helfen Sie mit!

Ehre, wem Ehre gebührt! Wer immer dieses Rätsel ersonnen hat: Es ist ihm damit gelungen, seit Jahrzehnten unzählige Sprach- und Rätselfreunde zum Grübeln zu bringen.

In de.etc.sprache.deutsch kam die nf-Frage bereits im Gründungsjahr 1994 auf, doch sie ist deutlich älter.

Inspiriert worden sein könnte sie durch Bücher zur Aussprache, in denen oftmals darauf hingewiesen wird, nf nicht zu verschleifen. So finden sich in der zweiten Auflage des Werks Mustersammlung aus deutschen Klassikern aus dem Jahre 1827 auf Seite 77 des ersten Anhangs (mit ebensolchen Leseübungen) immerhin alle vier klassischen nf-Wörter direkt hintereinander.

In Der alemanische Consonantismus in der Mundart von Baselstadt von Andreas Heusler aus dem Jahre 1888 werden in einem einzigen Absatz zur Aussprache des »labiodentalen Reibelauts f« zusätzlich sogar »Zunft«, »sanft« und »Ranft« aufgeführt (siehe oben). Auch Otto von Greyerz' Buch Deutsche Sprachschule für Berner aus dem Jahre 1900 führt die ersten vier im Absatz zur Aussprache von nb, np und nf auf (das Wort fünf dabei als fünffach).

Bekannt ist bisher, daß das Rätsel in den späten 1970ern durch die Massenmedien gegangen sein muß und dadurch schlagartig vielen bekannt gemacht wurde. Als mögliche Quellen genannt wurden bisher das ARD-Kinderferienprogramm von 1979 mit Thomas Hegemann und die ARD/ORF/SRG-Quizsendung »Allein gegen alle«, die 1978 bis 1980 im Fernsehen lief und von Wolfgang Spier und Max Schautzer moderiert wurde. Auch die Fernsehzeitschrift »Hörzu« soll Anfang der 1980er ihre Leser über mehrere Wochen raten haben lassen. Es ist jedoch möglich, daß die Frage schon früher als Knobelaufgabe in einem Rätselheft gestellt worden war; die Vermutungen zielen bis in die 1960er zurück.

Wissen Sie, wer es war? Haben Sie genauere Informationen, vielleicht alte Zeitschriftenartikel oder gar Videoaufnahmen besagter Sendungen, die obige Vermutungen belegen — oder auch dementieren? Dann schreiben Sie mir! Ich freue mich auf Ihre Hinweise.

Herbert Achternbusch: Die Stunde des Todes

Der älteste bisher gefundene Beleg für dieses Rätsel findet sich im Roman Die Stunde des Todes von Herbert Achternbusch aus dem Jahre 1975 — wenngleich dort nur die vier klassischen nf-Wörter als Antwort genannt werden:

Am Abend des fünften Tages war Marianne sehr schwach, und durch Bläue im Gesicht kündigte sich ein Herzversagen an. Ich versuchte sie zu trösten, indem ich sie fragte, ob sie fünf Wörter zusammenbringt, die mit nf aufhören. Fünf Senf Genf und Hanf brachten wir zusammen, dann starb sie. Jetzt versuchte ich ein Gebet, nur: Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes, kam mir über die Lippen.

Johannes Rau, der WDR und die Wirtschaftswoche

Ein weiterer Hinweis auf eine frühe Verbreitung des nf-Rätsels über Massenmedien findet sich in Heft 22/1976 der Wirtschaftswoche:

Johannes Rau, nordrhein-westfälischer Wissenschaftsminister, sonst nie um ein Wort verlegen, ist seit Wochen auf der Suche nach einem Wort. Nämlich nach dem fünften, das auf nf ausgeht. Senf, Genf, Hanf und fünf sind die vier Wörter, auf die er es bisher gebracht hat. Auch in der Briefflut aus dem In- und Ausland, die Rau erreichte, nachdem der WDR des Ministers Wort-Klauberei aufgegriffen hatte, war das echte fünfte Wort nicht dabei. Rau: »Die Jagd geht weiter.«


Hungrig, durstig, satt, sitt und schmöll

Wenn satt der Gegensatz zu hungrig ist, wie lautet dann der Gegensatz von durstig?

undurstig.

Das klingt aber sehr schwach. Es soll doch Sprachen geben, in denen ein solches Wort existiert, oder?

Es existiert im Englischen das etwas formelle Wort sated, das auf Hunger wie Durst angewandt werden kann. Ein ähnlicher Standpunkt wird übrigens auch bezüglich des deutschen Worts satt vertreten, so etwa im Grimmschen Wörterbuch:

SATT, adj. […] zunächst von jemand, der seinen hunger oder durst gestillt hat […]

Des weiteren gibt es im Englischen das ebenfalls in dieser Bedeutung nicht sonderlich gebräuchliche Wort quenched (gelöscht, gestillt, gedämpft). In Deutschland fand es 1979 seinen Niederschlag in Form eines Getränkepulvers namens Quench, einer Marke des Lebensmittelkonzerns Kraft.

Der schmöll-Brief aus der Welt im Spiegel

Zuverlässig erscheinenden Aussagen von de.etc.sprache.deutsch-Teilnehmern zufolge wird der Gegensatz zu durstig im Esperanto (malsoifa), im Griechischen, im Norwegischen (utørst) und im Schwedischen (otörstig) auch nur durch eine Vorsilbe entsprechend dem deutschen un- gebildet — wenngleich diese Formen möglicherweise gebräuchlicher sind als das deutsche undurstig. Manchen slawischen Sprachen hingegen fehlt sogar ein gängiges und kompaktes Äquivalent zu durstig; man behilft sich mit Umschreibungen wie trinken wollen.

Woher stammt der Vorschlag schmöll?

schmöll geht auf einen erfundenen Brief an die Duden-Redaktion zurück, der im Dezember 1975 in der Welt im Spiegel veröffentlicht wurde, einer Doppelseite in der Satirezeitschrift Pardon. Der Brief war mit Werner Schmöll unterschrieben; Verfasser des Briefs war »Welt im Spiegel«-Autor Robert Gernhardt.

Und woher kommt sitt?

sitt war der Sieger eines Schülerwettbewerbs aus dem Jahre 1999 zur Suche nach einem Wort, das das Gegenteil von durstig beschreibt. Sowohl der Wettbewerb, der von dem Getränkehersteller Lipton und dem Duden-Verlag ausgeschrieben worden war, als auch das Ergebnis wurden in de.etc.sprache.deutsch mit Skepsis aufgenommen; die Durchsetzungsfähigkeit des neuen Worts wurde bezweifelt. (Im Rechtschreibduden verzeichnet ist es bisher nicht.) Ebenfalls kritisiert wurde die Beteiligung des Duden-Verlags.

Kommentare

  • Kommentar von Stephan Grossien:

    Tiere saufen und sind dann getränkt.

    Menschen trinken und sind dann … besoffen.

    Da soll noch einer klarkommen! ;-)

  • Kommentar von Tobias J. Becker:

    Was ich ja lustig an sitt finde, ist, daß satt mit den lateinischen Wörtern satis (= genug) und satur (= satt) verwandt ist, so daß man entsprechend annehmen könnte, sitt leite sich von sitis ab. Was nur leider genau das lateinische Pendant zu Durst ist. So nah und doch daneben …

  • Kommentar von Oliver Gassner:

    Dem nächsten Frager sagen wir einfach, es heiße (nach dem Lexikon der Furchtbringenden Gesellschaft zu Weimar, 1756, pagina CLXXII, linke Spalte) wamp.

    Also: Ich war durstig, jetzt bin ich wamp.

    (Hat sich in unserem Sprachgebrauch in Wampe (Bierbauch) erhalten.)

    Das klingt enorm überzeugend und erledigt das Problem.

  • Auch Douglas Adams, John Lloyd und Sven Böttcher nahmen sich in Der tiefere Sinn des Labenz des Problems an:

    Stulln (Adj.) Das Gegenteil von durstig.


unleugbar und der Erikativ

Von einem transitiven Verb kann ein Adjektiv abgeleitet werden, indem man seinen Stamm um -bar ergänzt:

 Infinitiv     Stamm      Adjektiv
     lesen     les-     lesbar
    machen    mach-    machbar
    nutzen    nutz-    nutzbar
vorstellenvorstell-vorstellbar

Auch intransitive Verben können Basis solcher Adjektive sein:

brennen ⇒brenn- ⇒ brennbar
 fehlen ⇒ fehl- ⇒  fehlbar
 sinken ⇒ sink- ⇒unsinkbar

Endet der Infinitiv nicht auf -en, sondern auf -eln oder -ern, so erhält man den Stamm durch Entfernen des n:

auswechseln ⇒auswechsel- ⇒auswechselbar
    liefern ⇒    liefer- ⇒    lieferbar

Dies kann damit erklärt werden, daß die heutigen Endungen -eln und -ern ursprünglich -elen und -eren lauteten. So kommt laut Grimm die unverkürzte Form wechselen bis ins 17. Jahrhundert vor, und laut Kluge sind die mittelniederdeutsche Form leveren und die mittelniederländische Form lieveren belegt.

Ähnlich verhält es sich mit solchen Verben auf -men oder -nen, die im Laufe der Zeit ebenfalls ein e verloren haben. Dieses wird bei der Bildung des Adjektivs auf -bar wieder eingefügt:

    atmen ⇒    atembar(mhd. atemen)
berechnen ⇒berechenbar(mhd. rechenen)
   öffnen ⇒   öffenbar(mhd. offenen)
   ordnen ⇒   ordenbar(mhd. ordenen)
   widmen ⇒   widembar(mhd. widemen)
 zeichnen ⇒ zeichenbar(mhd. zeichenen)

Erikative in der Carl-Barks-Geschichte »Das Gold der Inka«, US 26/1

Einige dieser Formen werden wohl Stirnrunzeln hervorrufen, so daß man manche vielleicht umschreiben oder ersetzen wird, zum Beispiel zuordenbar durch zuzuordnen.

Ausnahme bleibt das in Wörterbüchern verzeichnete (un)leugbar, das nach dem mittelhochdeutschen Verb lougenen laut obiger Regel eigentlich (un)leugenbar lauten müßte. Diese Form war tatsächlich gängig, doch setzte sich laut Grimm ab dem 17. Jahrhundert die kürzere Form durch.

Und was ist der Erikativ?

Nach obigen Regeln gebildete Verbstämme — Sprachwissenschaftler sprechen vom Inflektiv — werden auch als Interjektionen gebraucht; sie sind oft lautmalender Natur: ächz, grins, heul, kreisch, schmatz, würg, zisch, im Usenet und anderen elektronischen Foren zumeist *ächz*, *grins*, *heul* usw. Auch Zusammensetzungen sind gebräuchlich: *aufdenputzhau*, *ganzstillsei*.

Erikative in der Carl-Barks-Geschichte »Das Maitänzchen«, WDC 270

In de.etc.sprache.deutsch wurde hierfür die Bezeichnung Erikativ geprägt, in Verehrung von Frau Dr. Erika Fuchs (1906–2005), die — wenn auch nicht Schöpferin dieser Formen — mit ihren Übersetzungen vieler Disney-Comics ins Deutsche wohl aber den größten Beitrag zu ihrer Popularisierung geleistet hat. Im Erika-Fuchs-Buch von Klaus Bohn wird sie zur Übersetzung dieser Wortformen wie folgt zitiert: »Im Englischen stand meist der Infinitiv, das klang im Deutschen wie ein Befehl.« Man vergleiche hierzu die beiden Beispiele: in der Originalfassung von Carl Barks (Another Rainbow, Bände IV-1 und X-2) und in der Übersetzung von Erika Fuchs (Donald-Duck-Sonderheft, Bände 42 und 54): »roar« wird zu »grummel«, »crash« zu »klirr« usw.

Der Spiegel schrieb hierzu (Heft 43 vom 1969-10-20, Seite 65):

Der Verwendung von Wortfetzen wie »ächz«, »stöhn«, »schnurch« und »grübel-grübel« […] mißt die »Micky Maus«-Macherin gar pädagogische Bedeutung bei: »Die Kinder lernen so Wortstämme kennen und werden mit Wort-Lautspielereien vertraut.«

Auch im Grammatik-Duden von 1984 wurden diese Formen bereits beschrieben:

Um Reduktionsformen ganz anderer Art handelt es sich bei klirr, heul, krächz, zisch, schlaf, würg, ächz usw., die — meist durch englische Vorbilder angeregt — vor allem in den Sprechblasen von Comics auftreten und von dort aus Eingang in die Jugendsprache gefunden haben. Gebildet werden sie durch die Kürzung der entsprechenden Verben klirren, heulen, krächzen usw.) auf ihren Stamm. Sie stehen für einfache finite Verbformen der 1. oder 3. Person (es klirrt, ich heule, sie schläft usw.), stellen prägnante Verhaltenskommentare dar und veranschaulichen durch ihren meist lautmalenden (onomatopoetischen) Charakter Geräusche o. ä. nach der Art gewisser Interjektionen […].

Ein Erikativ ist somit ein als Interjektion gebrauchter Inflektiv; »Inflektiv« beschreibt die grammatikalische Form, »Erikativ« die Funktion.

Ein älterer Erikativ entstammt der Geschichte Ein Tag aus dem Leben Appelschnuts von Otto Ernst (1862–1926) und lautet schließ:

»Lingelingeling!« ruft sie, als sie nahe vor mir steht. Das ist die Türglocke.

»Ah, guten Tag« —, ruf ich, werde aber sofort unterbrochen.

»Nein, du muß erst ›Schließ!‹ sagen.« Das Wort »Schließ« markiert das Türaufmachen. Ich sage also »Schließ«, und sie tritt ein.


Das Ding an der Kasse

Ein Warentrenner an einer Supermarktkasse

Wie nennt man dieses Holz- bzw. Plastikding, das man an der Supermarktkasse auf das Fließband legt, um die Waren zweier Kunden voneinander zu trennen?

Die Mehrheit sprach sich in den bisherigen rund fünfzehn Diskussionen zu dieser Frage für Warentrenner aus. Alternative Vorschläge: (Waren-)Trennholz, (Waren-)Trennstab, Trenner, Separator, Holz. Weniger ernsthaft: Reklameriegel, Näkubi (Nächster Kunde bitte!), Kassentoblerone.


Verneinte Fragen

»Soll man auf eine verneinte Frage, auf deren nichtverneinte Form man mit Nein antworten würde, nicht mit Ja antworten?« — »Doch.«

Zugegeben, etwas komplizierter ist es schon. Ist eine Entscheidungsfrage unverneint (einfache Ja/Nein-Frage), sind die Bedeutungen der Antwortoptionen noch klar:

  • (1) War der Zug pünktlich?
  • (1a) Ja, er war pünktlich.
  • (1b) Nein, er war nicht pünktlich.

Ein doch statt ja in Antwort (1a) kommt höchstens dann vor, wenn in der Frage starke Zweifel mitschwingen und der Fragesteller eigentlich eine verneinende Antwort vom Typ (1b) befürchtet:

  • (1) Liebst du mich [überhaupt]?
  • (1a) Ja/doch, ich liebe dich.

Verneint werden kann eine Entscheidungsfrage beispielsweise durch ein betontes »nicht«:

  • (2) War der Zug nicht pünktlich?
  • (2a) Doch, er war pünktlich.
  • (2b) Nein/ja, er war nicht pünktlich.

Unstrittig ist hier nur die Bedeutung der Antwort mit doch, die die Negation zurückweist. Ein schlichtes ja oder nein ohne Ergänzung für (2b) führte jedoch oft zu Mißverständnissen — aus mindestens drei Gründen: Erstens besteht eine Verwechslungsmöglichkeit mit den — abweichenden — Antwortoptionen für andere Formen der Verneinung:

  • (3) War der Zug unpünktlich?
  • (3a) Ja, er war unpünktlich.
  • (3b) Nein, er war pünktlich.

Zweitens kann nicht nicht nur als (betonte) Negationspartikel fungieren, sondern auch als (unbetonte) sogenannte Abtönungspartikel, mit der der Fragesteller eine bestimmte Erwartungshaltung ausdrückt, nämlich die Zustimmung des Befragten:

  • (4) War der Zug nicht pünktlich?
  • (4a) Ja/doch, er war pünktlich.
  • (4b) Nein, er war nicht pünktlich.

Das entspricht auch der Funktion des nicht in zustimmungsheischenden rhetorischen Fragen wie der folgenden:

  • (4) Habe ich das nicht toll hinbekommen?.
  • (4a) Ja/doch, das hast du prima gemacht.
  • (4b) Nein, das war grauenhaft.

Etwas abgeschwächt gegenüber der rhetorischen Frage ist die Erwartungshaltung bei der Vergewisserungsfrage, die Antworten wie oben für (4) und (2) ermöglicht:

  • (4) Der Zug war [doch] pünktlich[, oder]?
  • (2) Der Zug war [doch] nicht [etwa] pünktlich[, oder]?

Drittens gibt es eine kleinere Sprechergruppe, die auch verneinte Entscheidungsfragen nach mathematisch-logischen Gesichtspunkten beantwortet:

  • (5) War der Zug nicht pünktlich?
  • (5a) Ja, er war nicht pünktlich.
  • (5b) Nein/doch, er war pünktlich.

Das Jargon File beschreibt die Situation für das Englische:

It has been observed that many hackers are confused by negative questions — or, at least, that the people to whom they are talking are often confused by the sense of their answers. […] when they parse the question »Aren't you going?« it may seem to be asking the opposite question from »Are you going?«, and so to merit an answer in the opposite sense. This confuses English-speaking non-hackers because they were taught to answer as though the negative part weren't there. In some other languages (including Russian, Chinese, and Japanese) the hackish interpretation is standard and the problem wouldn't arise. Hackers often find themselves wishing for a word like French si, German doch, or Dutch jawel — a word with which one could unambiguously answer yes to a negative question.

Ähnlich verhält es sich mit anderen Formen der Verneinung, etwa durch kein, nichts, nie, niemand, nirgends.

Das klingt nicht nur verwirrend, sondern ist es auch, und gänzlich unübersichtlich wird die Situation bei mehrfacher Verneinung. Insbesondere ist die Unterscheidung zwischen nicht etc. in (2) und (4) nicht immer klar, so daß gerade in einem zumeist betonungsarmen schriftlichen Medium wie den Netnews die Interpretation (5) stärkeren Zuspruch erhält.

Die Lehre daraus: Man vermeide negierte oder auch nur scheinbar negierte Entscheidungsfragen, wenn man sich nicht sicher ist, wie das nicht etc. aufgefaßt wird; denn oftmals wird nicht so sehr die verneinte Frage den Befragten verwirren als vielmehr dessen Antwort den Fragesteller.

»Alle Dateien des Datenträgers jetzt nicht löschen? J/N?«

Nach kurzem Überlegen habe ich den Hauptschalter genommen, denn was nützt es mir, wenn ich zwar die richtige Antwort gegeben habe, der Programmierer aber die falsche Frage gestellt hat?

(Heinz-Werner Jezewski am 1995-05-06 in de.etc.sprache.deutsch)


Des Nachts

Warum heißt es adverbial auch des/eines Nachts statt der/einer Nacht?

Eigene beachtung verdient der genetiv singularis. die goth. genetive nahts baúrgs u. s. w. lauten ahd. mit verlust des s naht burg, alts. aber nahtes burges, denen goth. genetive der i-declination nahtais baúrgais entsprechen würden, deren s sich im alts. durch den ursprünglich auf der endsilbe ruhenden accent erhalten hätte. scheinbar hat sich nun ein derartiger genetiv auch im ahd. nahtes, ags. nyhtes, altfries. mnd. nachtes, mhd. nahtes, nhd. nachts erhalten, der aber ursprünglich nur adverbial gebraucht wird und wol nur nach analogie von tages gebildet und wahrscheinlich in der verbindung tages unde nahtes (ahd. tages indi nahtes, ags. däges and nyhtes) zuerst aufgetreten ist. nachdem einmal dieser genetiv als masculinum aufgefaszt (schon ahd. des nahtes) und aus seiner adverbialen stellung herausgetreten war, wurde das wort auch in andern casus mit dem masc. artikel verbunden: mhd. der naht; ich sihe des nahtes krefte balde swachen.; dô sach ich in des nahtes clamen, dâ siben vogel kleben.; nhd. in der schaidung tag und nachts.; mich deucht wie es fast finster wer|viel nachts und nebels umb mich her.; er het im lang guten nacht gesagt.

(Deutsches Wörterbuch; Verweise und Quellenangaben getilgt)


Betonung buchhalterisch

Die einzige Aussprachevariante von buchhalterisch, die von allen Wörterbüchern als korrekt angesehen wird, ist die auf der ersten Silbe betonte Form.

Dies entspricht der generellen Aussprache derart gebildeter Adjektive auf -isch, die von Geschehensträgern (sogenannten Nomina agentis) auf -er abgeleitet sind, die wiederum zumeist auf Verben basieren: angebenAngeberangeberisch. Ebenso: betrügerisch, gebieterisch, hellseherisch, kämpferisch, malerisch, mörderisch, planerisch, rechnerisch, schlafwandlerisch, schriftstellerisch, seelsorgerisch, spielerisch. Keines davon wird auf der vorletzten Silbe betont.

Zwar gibt es auch Adjektive auf -erisch, die auf der vorletzten Silbe betont werden, doch folgt keines davon dem Ableitungsschema von buchhalterisch: Verb ⇒ Substantiv auf -er ⇒ Adjektiv auf -isch. Oft sind diese von parallelen Substantiven mit betontem »e« abgeleitet oder beeinflußt: algerisch (von Algerien), ätherisch, cholerisch (von Choleriker), esoterisch (von Esoterik), generisch, homerisch (von Homer), hysterisch, iberisch (von Iberia), numerisch, sumerisch (von Sumeria).

Einzig das Österreichische Wörterbuch verzeichnet zusätzlich auch die oft gehörte Variante von buchhalterisch mit Betonung der vorletzten Silbe (also mit langem »e«), die in den Diskussionen in de.etc.sprache.deutsch als Bürokratensprache oder affektierter Fachjargon angesehen wurde.

Ein Adjektiv, für das sowohl die Betonung auf der ersten als auch auf der vorletzten Silbe in vielen Wörterbüchern verzeichnet ist, ist lutherisch.


Pangramme: alle Buchstaben in einem Satz

(mit Dank an Gregor Peltri für seinen Hinweis auf die Magazin-Pangramme von 1981 und das Material hierzu)

Das Funktionieren von Schreibmaschinen und Fernschreibverbindungen wird im englischen Sprachraum oft mit dem Satz The quick brown fox jumps over the lazy dog oberflächlich geprüft, da dieser alle 26 Buchstaben des Alphabets enthält.

Solche Sätze nennt man Pangramme (von griechisch pan gramma, alle Buchstaben). Deutsche Entsprechungen sind Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern oder — mit Umlauten und Eszett — Zwölf große Boxkämpfer jagen Viktor quer über den Sylter Deich. Durch Pangramme wird oft auch das Aussehen von Schriften (Fonts) demonstriert.

Ein sogenanntes echtes oder perfektes Pangramm kommt ohne doppelte Buchstaben aus. Hauptproblem ist die geringe Zahl an Vokalen, weswegen man sich im Englischen neben a, e, i, o, u und vokalischem y auch des vokalischen w aus dem Walisischen bedient:

  • Squdgy fez, blank jimp crwth vox. (Claude Elwood Shannon)
  • Batz jink frev squdgy cwm phlox. (Henry Otto Pollak)

(Zitiert nach Quentin Fielden Stout: Improved Prefix Encodings of the Natural Numbers. IEEE Transactions on Information Theory, Vol. IT-26, No. 5, September 1980.)

Dieses vokalische w steht im Deutschen nicht zur Verfügung, so daß hier ein echtes Pangramm, das nur aus den Buchstaben von A bis Z besteht, schwierig zu finden ist. Eine gute Annäherung mit nur 29 Buchstaben ist »Vergib jeden Flop, Schwyz!«, quakt Max von Gottfried Beesk. Läßt man Abkürzungen zu, finden sich einige Lösungen auf den Anagramm-Seiten von Hans-Peter Reich:

  • IQ-Jux: Schlag vor den BMW (Kfz-Typ). (Hans-Peter Reich)
  • Jury-Fax lobt WG: zehn Kids/PVC-qm. (Hans-Peter Reich)
  • Jux: Schwyz vergibt Land qm/Kopf! (Frank Nestel)
  • Slum-Typ brach Kfz von Ex-DJ, wg IQ? (Ralf Krätschmer)

ä, ö und ü verbessern die Situation; dennoch findet sich das älteste bisher bekannte echte deutsche Pangramm, mit Umlauten und Eszett, erst 1981 in der August-Ausgabe der DDR-Unterhaltungszeitschrift »Das Magazin«:

  • Vogt Nyx: »Büß du ja zwölf Qirsch, Kämpe!«

Es stammt von Regina oder Regine Ullrich aus Farnstädt (im Artikel werden beide Vornamensvarianten verwendet) und war von der Redaktion zum Siegerbeitrag eines Wettbewerbs aus Heft 5/1981 gekürt worden. Zugelassen waren ausschließlich Wörter aus dem Duden, jedoch keine Abkürzungen oder Einzelbuchstaben.

Bemerkenswert ist das Wort Qirsch, eine arabische Währungseinheit, denn es erscheint ausschließlich in der 16. und 17. Auflage des Leipziger Dudens (1967 und 1976) — womit es die Bedingungen des Wettbewerbs klar erfüllte. In der 18. Auflage des Ost-Dudens (von 1985) ist es nicht mehr zu finden, auch in keinem West-Duden.

Das Pangramm des Zweitplazierten Martin Schüler aus Kleinmachnow lautete:

  • Verbüß öd' Joch, kämpf Qual, zwing Styx!

Diese Pangramme gerieten in Vergessenheit, und es dauerte bis zum Jahr 2003, als de.etc.sprache.deutsch-Teilnehmer Matthias Belz das nächste echte deutsche Pangramm erdachte, das lange Zeit als das erste betrachtet wurde:

  • »Fix, Schwyz!« quäkt Jürgen blöd vom Paß.

(Ein Sportfan auf einem Bergübergang feuert seine Mannschaft an.) Nein, es handelt sich beim Erfinder nicht um den bekannten Kabarettisten und Autor, denn dieser verstarb bereits im Jahr zuvor; außerdem schrieb er sich »Matthias Beltz«, nicht »Belz«.

Für die Schweizer erdachte Belz folgende eszettlose Pangramme:

  • »Üb jodeln, Gör!« quäkt Schwyz' Vamp fix.
  • »Ja!« quäkt Schwyz' Pöbel fix vor Gmünd.
  • Schwyz' Vamp quäkt öd: »Fix, lob Jürgen!«
  • Ob Schwyz' Vamp dünkt »Fix, quäle Jörg«?

2009 legte Belz folgende Pangramme nach, die sowohl der klassischen als auch der reformierten Rechtschreibung genügen — mit Abkürzungen zwar, die jedoch sämtlichst im Duden verzeichnet sind:

  • DJ Onyx quäkt für Spaßvögel bzw. mich.
  • Vamp quäkt: Grüß Felix bzw. Jody schön!
  • Jux-Typ aß schäbig vor Zwölf-qkm-Düne.

Weitere Beispiele hier und im Archiv von rec.puzzles.


Isogramm: Wort ohne Buchstabenwiederholung

Isogramm wird ein Wort genannt, in dem jeder Buchstabe maximal einmal vorkommt, also keine Buchstaben wiederholt werden. Das längste Kunstwort, das halbwegs Sinn ergibt, ist mit 24 Buchstaben Heizölrückstoßabdämpfung; es enthält außerdem alle Umlaute und Eszett. Ebenfalls künstlich ist Fachbildungsprojekt (19 Buchstaben), wenngleich man sich hierfür durchaus Anwendungen vorstellen kann. Mit 17 Buchstaben das längste tatsächlich gebrauchte Wort ist Dialogschwerpunkt; es folgen Dialektforschung und Polschraubzwinge mit je 16 Buchstaben sowie Bildungsprojekt, Machtverfilzung und viele weitere mehr mit je 15 Buchstaben.

Die Rekorde im Englischen liegen in ähnlichen Größenordnungen: ambidextrously mit 14 Buchstaben ist das gängigste Rekord-Isogramm; es wird übertroffen von dermatoglyphics und uncopyrightable (je 15 Buchstaben), wobei letzteres sogar noch zu uncopyrightables erweitert werden könnte. 17 Buchstaben hat subdermatoglyphic, was aber mehr theoretischer Natur ist und von keinem Wörterbuch verzeichnet wird.

Eine Sonderform ist das Isogramm, dessen Buchstaben alphabetisch sortiert sind. (Agimmors?) Das längste bekannte Wort dieser Art ist mit acht Buchstaben Aegilops, eine Gräsergattung, die auch als Ägilops in Wörterbüchern verzeichnet ist.


Plenk, plenken

Ein Plenk (phonetisch von englisch blank) bezeichnet heute ein überflüssiges Leerzeichen vor einem Satzzeichen; das zugehörige Verb plenken hat die Bedeutung überflüssige Leerzeichen vor Satzzeichen einfügen. Ursprung soll das Maus-Netz, Schöpfer soll Johannes Leckebusch sein, der das Wort ursprünglich lediglich in der Bedeutung Leerzeichen verwendet, zum Anlaß der Verwendung jedoch häufig eben jenen typographischen Fauxpas genommen haben will.

Zur korrekten Verwendung von Leerraum mit Abkürzungen, Auslassungszeichen, Interpunktion und anderen Satzzeichen finden Sie im Kapitel zur Typographie weitere Informationen.


*plonk*, plonken

Das Verb to plonk ist — neben der Varianten to plunk — im Englischen seit dem 19. Jahrhundert belegt. Es handelt sich um ein Onomatopoetikon (ein klangnachahmendes Wort; hier das Geräusch zweier aufeinanderprallender harter Gegenstände) mit der Bedeutung etwas mit viel Getöse hinwerfen, hinunterwerfen, zu Boden werfen, fallenlassen, womit leise plonken ein Oxymoron ist.

Ausgehend von alt.flame und talk.bizarre breitete sich das Wort im Usenet in der netzüblichen Interjektionsform *plonk* (= ich plonke dich gerade) gegen Ende der 1980er Jahre aus und sollte den Klang eines Netzteilnehmers bezeichnen, der gerade in ein Killfile (eine Art persönlicher Artikelfilter) aufgenommen (»geworfen«) wurde. *plonk* drückt also aus, daß ein Netzteilnehmer die Artikel eines anderen nicht mehr zu lesen gedenkt — was typischerweise weder zutrifft (wie man meist schon kurze Zeit später an weiteren Reaktionen des Plonkers auf den angeblich Geplonkten feststellen kann) noch eine sonderlich gehaltvolle Information für die übrige Leserschaft darstellt, deren Geduld zudem auf eine harte Probe gestellt wird durch das beharrliche Aufwärmen eines mittlerweile über zwanzig Jahre alten »Scherzes«, über den man in talk.bizarre schon nach kurzer Zeit nicht mehr lachen konnte.

»When I see a public *plonk* (those with grace do so privately) I pay less attention to the *plonker* and more attention to the *plonkee*. Some have such enormous egos that they publically make available their kill file for those who are unable to think for themselves, and you could no doubt tell them what time to go to bed and what to eat for lunch as well.« — »This actually makes sense. I tend to automatically discredit anything said by someone who feels the need to publicly say "This person's opinion isn't worthy of my attention". They tend to be of the same ilk as the "You must have a reading comprehension problem" and "Learn to spell" crowd.« (Stephen Boursy, Mark Hughes, news.admin.policy, 1995-02-24)


Wofür steht »Re:«?

Das im englischsprachigen Schriftverkehr übliche re ist aus dem lateinischen in re (in Sachen, betreffs, bezüglich; re Ablativ von res Sache) abgeleitet. Typischerweise steht es am Anfang des Betreffs (In re oder schlicht Re) und wird oft durch einen Doppelpunkt abgetrennt. Es kommt jedoch auch mitten im Satz(-fragment) vor (my comments re your proposal), oft auch mit Doppelpunkt, was jedoch beides als informell angesehen wird.

Davon zu unterscheiden ist das »Re:«, wie es erstmalig in RFC 850 (von 1983) für Netnews-Artikel kodifiziert wurde. Denn der eigentliche Betreff wird dort bereits durch »Subject:« als solcher markiert, und »Re:« wird nicht bereits im Ausgangsartikel, der das Thema aufwirft, verwendet, sondern erst zur Kennzeichnung der Antworten darauf (sogenannten Followups), womit eine Deutung als lateinisch in re unsinnig ist, da ja nicht erst die Antwort »in der Sache« ergeht. Übliche Deutungen sind reference (vielleicht in Anlehnung an die »References:«-Zeile, die bei Antworten ja ebenfalls eine Rolle spielt) und regarding.

Der Normungstext selbst äußert sich nicht direkt hierzu, verwendet jedoch in diesem Zusammenhang das Wort response — wie eine Antwort in den Netnews noch heute genannt wird:

If the article is submitted in response to another article […] the default subject should begin with the four characters "Re: "

So kann man zwar nicht ausschließen, daß »Re:« in Mail und News vom lateinischen in re beeinflußt wurde; die wahrscheinlichste Bedeutung ist jedoch response.

In Mail laut RFC 822 (von 1982; erstmals normiert schon 1973 in RFC 561) war »Re:« ursprünglich übrigens gar nicht vorgesehen. Erst der Nachfolger RFC 2822 (2001) folgt hier der News-Norm. Verwendet wurde es de facto aber genauso wie in den News; siehe die Belege in RFC 1211. Eine Mail-Antwort nennt man typischerweise Reply, eine weitere gängige Deutung des »Re:«.


Rekorde

Diese Web-Seiten lieber in neuer Rechtschreibung?

Die längsten Wörter

Im Deutschen lassen sich Wörter nahezu beliebig zusammensetzen. Es wird daher allgemein als witzlos empfunden, ein »längstes« deutsches Wort konstruieren zu wollen, denn länger geht es immer; Einträge wie Himmel­herrgott­sakrament­kreuz­schock­schwerenot­potz­bomben­element­donnerwetter (73 Buchstaben) im Wörterbuch der deutschen Umgangssprache von Heinz Küpper sollten dies verdeutlichen.

Die längsten Stichwörter in der 22. Auflage des Dudens sind Arbeiter­unfall­versicherungs­gesetz und Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz (jeweils 33 Buchstaben) sowie mit Bindestrich Kraftfahrzeug-Haftpflicht­versicherung (36), Donau-Dampf­schifffahrts­gesellschaft (34) und Rhein-Main-Donau-Groß­schifffahrts­weg (33). Die Unterscheidung nach eingefügten Bindestrichen ist in gewisser Weise willkürlich, war Arbeiterunfallversicherungsgesetz doch bis zur 20. Auflage als Arbeiter-Unfall­versicherungs­gesetz eingetragen. (Dank an Wolf Busch für diese Beispiele aus deutschen Wörterbüchern.)

Nicht ganz unerwartet wird dies vom Rechts- und Verwaltungswesen locker übertrumpft: So gibt es ein Verkehrs­infrastruktur­finanzierungs­gesellschafts­gesetz (53 Buchstaben, kurz VIFGG), ein Rinder­kennzeichnungs- und Rindfleisch­etikettierungs­überwachungs­aufgaben­übertragungs­gesetz (20+3+63 Buchstaben, kurz RkReÜAÜG) und eine EG-Verbraucherschutz­durchsetzungs­gesetz-Ermächtigungs­übertragungs­verordnung (73 Buchstaben), die mit der elfbuchstabigen Abkürzung VSchDGErÜbV ebenfalls weit vorne liegt. (Vorschläge für diese Rubrik bitte nur mit seriöser Quellenangabe, also bitte keine Phantasieprodukte wie die berüchtigte EU-Verordnung zur Einfuhr von Karamellbonbons oder das angebliche amtliche Rundschreiben der Deutschen Bundespost über Wertsackbeutelfahnen und Wertbeutelsackfahnen.)

Die längsten Wörter in englischen Wörterbüchern sind floccinaucinihilipilification (OED, zweite Ausgabe, Band 5, Seite 1073) und pneumonoultramicroscopicsilicovolcanoconiosis (Webster's 3rd, Seite 1747). Ebenfalls im OED verzeichnet ist das aus Mary Poppins bekannte Phantasiewort supercalifragilisticexpialidocious (Band 17, Seite 214). Deutsche Wörterbücher, die die Übersetzungen superkalifragilistischexpialigetisch oder superkalifragilistischexpialigorisch enthalten, sind mir nicht bekannt.

Das längste einsilbige deutsche Wort ist mit elf Buchstaben [des] Borschtschs (von russisch борщ, eine Suppe), wobei das Genitiv-s nicht weniger umstritten ist als die Einordnung als deutsches Wort, zumal schtsch lediglich die Transkription eines einzigen kyrillischen Buchstabens ist (щ). Mit zehn Buchstaben, jedoch sieben bis acht Phonemen folgen unstrittig [du] knautschst, plantschst, quietschst, schlauchst, schleichst, schlumpfst, schmauchst, schnarchst und schrumpfst. Nur neun Buchstaben, aber immerhin ebensoviele Phoneme hat strampfst.

Die meisten Konsonanten

Die meisten Konsonanten in Folge haben — nach Buchstaben — Missingschschwätzer, herrschschwülstig (9), Angstschwelle, Flanschschraube, Gerichtsschreiber, Geschichtsschreiber, Glückwunschschreiben, Matschschlacht und das bekannte Angstschweiß (alle 8); nach Phonemen liegt Herbstpflanze (7) vorn.

Wenngleich Borschtschschmaus und ähnliches auch hier eher außer Konkurrenz laufen, so schoß Richard Sokal mit der Mischung zweier russischer Suppen doch den Vogel ab: Borschtschschtschi (15).

Die meisten Vokale

Wörter mit acht Vokalen in Folge konstruierten Matthias Opatz und Oliver Cromm: Übersee-ei-aa-aal (Aal aus der Aa, zubereitet mit amerikanischen Eiern) und Spreeauaioozyten. Das noch längere Spree-au-ai-eier verwarf Oliver, weil das Ai, eine Faultierart, als Säugetier keine Eier legt.

Auf bis zu dreizehn Vokale brachte es Oliver Jennrich: Aue-au-ei-einsammler (9), Zwei-ei-aue-au-aale (11) und Zwei-ei-aue-au-ei-aal (13).

Nur sechs Vokale, aber dreimal »au« hat Donau-au-aufforstung.

Beispiele für deutsche Wörter mit vier und mehr gleichen Buchstaben hintereinander, zum Beispiel Nausikaaaaaalsuppe, gibt es im Abschnitt zu Dreifachbuchstaben.

Vokale in der Folge a-e-i-o-u

Ebenfalls populär ist die Suche nach Wörtern, die die Vokale in der Reihenfolge a-e-i-o-u enthalten — und jeden nur einmal. Hier einige Beispiele: Adjektivkonstrukt, Apfelbiomus, Arbeitsnormung, Arbeitsordnung, Frankreichtour, Hackentricktorschuß, Halbfertigprodukt, Halsgerichtsordnung, Langzeittour, Lateinforum, Magermilchjoghurt, Markendiscount, Mastfleischkonsum, Parteibonus, Rateinholung und Wasserskisportclub. Im Englischen gelingt es sogar, ein vokalisches y unterzubringen: facetiously. Die Vokale nicht in der »richtigen« Reihenfolge, jedoch nur einen Konsonanten hat das französische oiseau. In Araeioutput (Legeleistung eines Papageis; erdacht von Tassilo Halbritter) kommen zwar doppelte Vokale vor, jedoch immerhin aeiou direkt aufeinanderfolgend.

Vermischtes

Ein nicht allzuabstruses Wort mit zehn »e« als einzigen Vokalen kommt von Andreas Karrer: Gewebeveredlerbelegstellen. Wolfgang Luncke aus Nürtingen gelang es sogar, auf zwölf »e« zu kommen: Edelebereschenbeerengelee.

Aluminiumminimumimmunität

Die meisten aufeinanderfolgenden Zacken hat in deutscher Schreibschrift (Kurrentschrift oder Sütterlin) das Wort Aluminiumminimumimmunität.

Es lohnt sich ein Blick in das Archiv von rec.puzzles.


Doppelt genäht hält besser?

  • ABM-Maßnahme
  • ABS-System
  • AGP-Port
  • ASCII-Kode
  • BMW-Werke
  • CD-Platte
  • DAX-Index
  • DMA-Zugriff
  • GIF-Format
  • HIV-Virus
  • IP-Protokoll
  • ISBN-Nummer
  • ISDN-Netz
  • LCD-Anzeige
  • PIN-Nummer
  • RAM-Speicher
  • SCSI-Schnittstelle
  • SIMM-Modul
  • SMS-Dienst
  • USB-Bus

Auch unverstandene fremdsprachliche Begriffe verführen zu Dopplungen ähnlicher Art: die La-ola-Welle (seit 1991 im Duden).

Siehe hierzu auch den Pleonasmus im Kapitel über Stilfiguren.


Auslassungspunkte und Leerraum

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Bindestriche

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Abkürzungen, Interpunktion und Leerraum

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Wortschatz

Wie viele Wörter hat die deutsche Sprache?

Diese harmlos anmutende Frage wirft auf Anhieb zwei neue Fragen auf: Was ist überhaupt ein Wort, und was gehört alles zur deutschen Sprache?

Was ist ein Wort?

Wie zählt man …

  • zusammengesetzte Wörter (Komposita)? Wolf Schneider schreibt hierzu in Wörter machen Leute:

    Blume, Strauß und Blumenstrauß — zwei Wörter oder drei? Duden führt Rosenstrauß auf, Veilchenstrauß nicht. 100 Blumenarten, jeweils mit Strauß kombiniert — 101 Wörter oder 200?

    Entscheidet man sich für 200, so muß man der deutschen Sprache als offenem System eine unendliche Zahl von Wörtern bescheinigen.

  • abgeleitete Formen? Um wie viele Wörter handelt es sich bei machen, machbar, Machbarkeit?

  • konjugierte, deklinierte, gesteigerte Formen? gehen, gehe, gehst, geht — vier Wörter oder nur eins?

  • Wörter mit mehreren Bedeutungen (Polysemie)? Um wie viele Wörter handelt es sich bei Schloß? (Der sechsbändige Wahrig kennt vier Bedeutungen.) Soll man bei Homonymen anders vorgehen, also bei Wörtern gleicher Schreibung mit unterschiedlicher Herkunft, zum Beispiel Base?

Oder soll man schlicht orthographische Einheiten zählen? Hat die Rechtschreibreform dann durch die vermehrte Getrenntschreibung (Erdöl exportierend, nahe stehend, Rad fahren) der deutschen Sprache Wörter genommen? Eine doch recht abenteuerliche Vorstellung.

Leichter abschätzbar ist die Zahl der bedeutungstragenden Elemente (Wortstämme und Affixe), aus denen Wörter zusammengesetzt sind, der sogenannten Morpheme. Ein Morphem kann eine lexikalische Bedeutung haben (Basismorpheme wie geh, halt, schreib) oder eine grammatikalische (Derivationsmorpheme wie ge-, un-, ver-, -chen, -est, -keit, -ung). Dieter E. Zimmer schreibt in Die Elektrifizierung der Sprache von 16 Flexionsmorphemen, »einigen Dutzend« Wortbildungsmorphemen und daß man die Zahl der Basismorpheme auf »nicht mehr als 5000« schätze (zuzüglich der der Lehn- und Fremdwörter).

Was ist eine Sprache?

Gehören zur Sprache …

  • veraltete Wörter? Wie häufig muß ein Wort benutzt werden, um noch zur Sprache zu gehören? Zählt man Eidam, erkiesen, sintemalen?

  • Spontanbildungen, aus der Situation heraus geboren oder ad hoc einer Fremdsprache entlehnt und gleich danach wieder verschwunden?

  • Lehn- und Fremdwörter?

  • geographische, Personen- und andere Eigennamen?

  • Umgangssprache und Dialekte? Was ist überhaupt ein »Dialekt«, und wie wollte man ihn von einer »Sprache« unterscheiden?

  • Fachsprachen? Gebiete wie die Medizin und die Biologie verfügen über ein riesiges Fachvokabular, und in der Chemie sind Millionen Verbindungen bekannt, zu denen allesamt auch ein Name systematisch bildbar sein sollte.

Wie groß ist der Wortschatz eines Menschen?

Den passiven Wortschatz eines Menschen beziffert Schneider in Wörter machen Leute mit bis zu 50000, den aktiven schriftlichen mit durchschnittlich 2000; zum aktiven mündlichen Wortschatz schreibt er, daß mehr als 3000 selten seien. Der Zweifelsfallduden nennt 12000 bis 16000 Wörter für den aktiven Wortschatz. Zimmer geht in Die Elektrifizierung der Sprache von durchschnittlich 10000 aus. Zum passiven Wortschatz nennt er eine Studie von Gerhard Augst aus dem Jahre 1977, wonach »seine beiden Versuchspersonen« rund 88 Prozent der 107000 Wörter des einbändigen Wahrigs verstanden. Auch diesen unterschiedlichen Zahlen liegen möglicherweise unterschiedliche Definitionen für Wort zugrunde.

Hat die englische Sprache mehr Wörter als die deutsche Sprache? Welche Sprache hat überhaupt die meisten Wörter?

Sieht man all die willkürlichen Entscheidungen, die man treffen müßte, um auch nur den Wortschatz einer Sprache eingrenzen und abschätzen zu können, so sollte offensichtlich sein, welche Probleme sich erst bei der sprachübergreifenden Definition von Wort und Sprache ergäben. (Man denke gar an Sprachen, die nicht schriftlich fixiert sind.) Zwar mag es Unterschiede in Komplexität und Ausdrucksstärke von Sprachen geben — und viele Fragen dieser Art in de.etc.sprache scheinen auf eine Überlegenheit der einen oder anderen Sprache zu zielen —; die Zahl der Wörter hierfür heranzuziehen ist jedoch ein wenig geeignetes Kriterium. Zwar hat Englisch durch Einfluß der romanischen Sprachen sicherlich an Wörtern gewonnen, dadurch aber auch viele germanische Formen durch Verdrängung verloren.

Wie behandelt man Zusammensetzungen, ohne eine Sprache zu bevorzugen? Handelt es sich bei Kaffeemühle um ein drittes Wort neben Kaffee und Mühle, bei coffee mill neben coffee und mill aufgrund der Getrenntschreibung aber nicht? Ist bad luck — anders als Pech — einfach nur eine Kombination aus Adjektiv und Substantiv? Wie geht man mit Prä- und Suffixen um?

Zählt man Beugungsformen als verschiedene Wörter? Sind der Wald, des Waldes, dem Walde, die Wälder, den Wäldern fünf Wörter, forest/forests aber nur zwei? Oder müßte man mit forest's/forests' zwei weitere hinzurechnen? Im Englischen sind die Beugungsendungen stärker abgeschliffen als im Deutschen, wodurch diese Zählung das Deutsche bevorzugte, aber macht diese Eigenschaft eine dieser beiden Sprachen ausdrucksstärker als die andere? Noch extremer ist das Zahlenverhältnis bei Verbformen: sieden, siede, siedest, siedet, sied!, siedete, siedetest, siedeten, siedetet, sott, sottest, sotten, sottet, sötte, söttest, sötten, söttet, gesotten, gesottene, gesottenem, gesottenen, gesottenes, gesiedet, gesiedete, gesiedetem, gesiedeten, gesiedetes, siedend, siedende, siedendem, siedenden, siedendes (32 Formen, ohne Steigerungsformen) gegenüber boil, boils, boiled, boiling (4 Formen).

Titelseite des Dudens von 1880

Oder zurück zu den orthographischen Einheiten: Im Deutschen fallen die Zahlen von 0 bis 999999 darunter; im Englischen schreibt man nur bis 99 in einem Wort. Hat Deutsch also knapp eine Million Wörter mehr? Oder soll man gar abgeleitete Formen, siehe den vorigen Absatz, hinzunehmen (erste, erstem, ersten, erster, erstes)?

Wie viele Wörter verzeichnen Wörterbücher?

Hier die Wortzahlen einiger bekannter Wörterbücher:

Duden, 1. Auflage (1880):           27000
Duden, 24. Auflage (2006):         130000
Wahrig, 8. Auflage (2006):         260000
Grimmsches Wörterbuch (1838–1961): 350000
Mackensen (1977):                  170000
Wahrig in sechs Bänden (1980–1984):220000
Duden in zehn Bänden (1999):       200000
Webster's Collegiate (1993):       160000
Webster's Third (1961):            450000
Oxford English Dictionary (1989):  290500

Dies sind, Grimm ausgenommen, Angaben der Verlage. Daß unterschiedlich gezählt worden sein muß, ist offensichtlich:

Titelseite des ersten Bandes des Grimmschen Wörterbuchs von 1854

So handelt es sich bei der herausragenden Zahl für Webster's Third wohl um Definitionen oder Wortformen, denn bei einer Schätzung der Haupteinträge kommt man auf rund 250000 — was sich mit den Angaben anderer amerikanischer Wörterbücher ähnlichen Umfangs und ähnlicher Aufmachung deckt. Für die Zahl der Wortformen hingegen wird im zwanzigbändigen OED der Wert 616500 genannt.

Der sechsbändige Vorläufer des oben aufgeführten zehnbändigen Dudens wurde mit »Über 500000 Wörter und Definitionen« angepriesen. Zimmer bemerkt hierzu in Die Elektrifizierung der Sprache: Und das will wohl verstanden werden als »eine ungenannte Zahl von Wörtern in 500000 Bedeutungen«. Bedeutungen wiederum zählt der große Wahrig 550000. Daß er aber — auch wenn die Einträge ausführlicher sind und über 20 Jahre zwischen ihm und der 8. Auflage des einbändigen Wahrigs liegen — 40000 Einträge weniger als letzterer haben soll, verblüfft.

Der Bestand elektronischer Wörterverzeichnisse geht in die Millionen.

Auch diese Zahlen geben also wenig Aufschluß über den Wortschatz einer Sprache, hängt der Umfang eines Wörterbuchs doch von der Zielgruppe des Werks ab, vom Fleiß der Lexikographen und der Wörterbuchredaktion und nicht zuletzt davon, wie gut eine Sprache überhaupt erforscht ist — was wiederum von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung beeinflußt wird.


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