Adjektivsteigerung, Hyperlativ · Doppelter Akkusativ · als und wie · Artikelgebrauch bei geographischen Bezeichnungen · das und daß · Fugenzeichen · Genitiv und Apostroph · hunderteins, tausendeins · Kommasetzung bei Datumsangaben · Verben und Apostroph

Grammatik


Adjektivsteigerung

Wie heißen die Steigerungsformen des Adjektivs?

Positiv, Komparativ, Superlativ, Hyperlativ.

(Zusätzlich gibt es noch den Elativ, der der Form nach dem Superlativ gleicht, jedoch außerhalb eines Vergleichs gebraucht wird, um einen hohen Grad auszudrücken, etwa Liebste Julia und Herzlichst, Dein Romeo in Anrede und Schluß eines Briefs. Ein eigener Terminus für einen nicht direkt vergleichenden Komparativ (ein älterer Herr) ist mir nicht bekannt.)

Hyperlativ? Was soll denn das sein?

einzigste, optimalste, meistverkaufteste, in keinster Weise … sehr populär in der Werbebranche und in der Politik — wenngleich man sich für einzigste immerhin auf Goethe berufen kann, der Faust im zweiten Teil sagen läßt: »Durchgrüble nicht das einzigste Geschick!« Literaturempfehlung: Eckhard Henscheids Dummdeutsch.

Zu Vergleichen mit Hilfe der Formen des Adjektivs siehe auch unter als und wie.


Vorratsdatenspeicherung? Nein, danke!

Welche Verben können mit einem doppelten Akkusativ stehen?

  • (ab)fragen, abhören (Der Lehrer fragt/hört die Schüler die Vokabeln ab.)
  • angehen (Das geht dich einen feuchten Kehricht an!)
  • kosten (Das kostet mich nur ein müdes Lächeln.)
  • lehren (Dich will ich Mores lehren!)
  • bitten (Ich bitte dich eines: …; selten)
  • heißen, nennen, rufen, schelten, schimpfen, schmähen, taufen (Er nennt ihn einen Lügner.; Gleichsetzungsakkusativ); umgangssprachlich auch finden (Ich finde das eine gute Idee!)

Auch in anderen Fällen kann ein Satz zwei Akkusative enthalten; jedoch spricht man nicht von einem doppelten Akkusativ im Sinne der Valenz eines Verbs, wenn es sich um einen Akkusativ mit Infinitivanschluß handelt und das Verb im Infinitiv ebenfalls ein Akkusativobjekt zuläßt. In diesem Fall stehen die Akkusative mit verschiedenen Verben in Verbindung: Sie singt ein Lied.Er hört sie (Akkusativ zu hören) ein Lied (Akkusativ zu singen) singen. Ebenso: Er glaubt/weiß etwas.Ich lasse ihn etwas wissen. Ich mache ihn etwas glauben. Zwei Akkusative können auch aus einem Gleichsetzungsnominativ entstehen: Er läßt den lieben Gott einen guten Mann sein.


als oder wie?

Die Konjunktionen als und wie stehen speziell umgangssprachlich und dialektal oft in Konkurrenz zueinander. Hier die Regeln der modernen Hochsprache:

  • Wird bei einem Vergleich die Grundform eines Adjektivs oder Adverbs verwendet (der sogenannte Positiv), so steht wie: Sie ist so groß wie ich. Mein neues Auto fährt nicht so schnell wie mein altes. Das Projekt wurde dreimal so teuer wie geplant.

    Noch Luther verwendete in seiner Bibelübersetzung (16. Jahrhundert) neben wie das an seiner Stelle früher übliche als, und in anderen germanischen Sprachen sind die Entsprechungen von als mit dem Positiv noch heute die übliche Form, etwa as im Englischen. Im gegenwärtigen Deutsch ist dies nicht mehr hochsprachlich und hat sich nur noch vereinzelt landschaftlich gehalten: so bald als möglich; so viel als nötig; so lange, als es ihm sinnvoll schien. Auch hier ist jedoch wie vorherrschend, und als wirkt archaisch. Veraltet ist ebenfalls als wie: … und bin so klug als wie zuvor. (Goethe)

  • Geht es bei einem Vergleich nicht um ein Maß, sondern um die gleiche oder ungleiche Art, oder handelt es sich um einen bildhaften Vergleich, so steht dieser auch ohne Adjektiv/Adverb mit wie: Er ißt wie ein Mähdrescher. Es ist nicht so, wie es scheint. Es lief wie geschmiert.

  • Gleichberechtigt nebeneinander stehen als und wie in den Wendungen sowohl … als [auch] und sowohl … wie [auch]. Die erste Form wird jedoch mehr als doppelt so oft gebraucht.

  • Mit dem Komparativ eines Adjektivs steht als: Sie ist größer als ich. Mein neues Auto fährt nicht schneller als mein altes. Das Projekt wurde zweimal teurer als geplant. In Dialekt und Alltagssprache hört man hier nicht selten wie; dies ist nicht hochsprachlich.

    Denn an dieser Stelle ist eigentlich veraltend — oder zumindest gehoben: Sie sieht besser aus denn je. Es wird noch verwendet, um ein doppeltes als zu vermeiden: Man sollte es weniger als Beleidigung denn als schlechten Scherz ansehen. Vor denn steht hier nur dann ein Komma, wenn die übrige Satzstruktur dies beispielsweise aufgrund von Einschüben oder Nebensätzen erfordert: Der Schüler hatte mehr geschrieben, denn als Hausaufgabe gefordert gewesen war. Denn ist mit dem englischen than verwandt.

  • Ebenfalls als oder denn steht nach anders, keiner, nichts, niemand, umgekehrt und entgegengesetzt: Er war nicht anders als die anderen. Es lief umgekehrt als erwartet. Ausreden, nichts als Ausreden!

  • Ein hypothetisches Verhältnis oder irrealer Vergleich wird durch als ausgedrückt, speziell durch als ob, als wenn oder mit Konjunktiv: Sie benimmt sich, als ob sie nichts damit zu tun hätte. Es sieht so aus, als wenn es gleich regnen wird. Ihm war, als müsse er die ganze Welt umarmen.

    Seltener wird auch wie wenn verwendet: … wie wenn man zuviel Brausestäbchen ißt. (Pe Werner)

  • Als und wie werden beide auch spezifizierend gebraucht, als dabei insbesondere zur Identifizierung und wie zur Exemplifizierung: Er arbeitet als Bäcker. Es gibt keinen wie ihn.

    Der Unterschied zwischen artvergleichendem wie (siehe weiter oben) und spezifizierendem als kann dabei subtil sein:

    • Man behandelte ihn wie einen Sklaven. (= Er war zwar kein Sklave, aber man behandelte ihn wie einen.)

    • Man behandelte ihn als einen Sklaven. (= Er war ein Sklave, und so behandelte man ihn auch.)

  • Bei temporalem Gebrauch leitet als ein vergangenes Geschehen in einem Nebensatz ein, das vor- oder gleichzeitig zum Geschehen im Hauptsatz stattfand: Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich niemanden. Wie wirkt hier umgangssprachlich.

  • Ein gegenwärtiges Geschehen hingegen steht mit wie: Wie ich so aus dem Fenster schaue, erblicke ich ihn. Seltener wird hier auch als gebraucht, speziell im historischen Präsens.

Siehe auch den Abschnitt über Vielfache und Relationen.


Artikelgebrauch bei geographischen Bezeichnungen

Namen von Ländern, Kontinenten, Landschaften und Inseln sowie andere geographische Bezeichnungen werden im allgemeinen mit Artikel gebraucht, wenn …

  • es sich um Feminina handelt: die Arktis, die Krim, die Sahara, die Schweiz, die Slowakei, die Türkei.

  • sie im Plural stehen: die Antillen, die Kapverden, die Niederlande.

  • sie auf -au, -berg, -land, -see, -staat, -union usw. enden oder es sich um Zusammensetzungen handelt: das Deutsche Reich, das Königreich Schweden, die Mainau, die Nordsee, das Rheinland, das Saarland, die Sowjetunion, der Vatikanstaat, die Zugspitze, aber: Deutschland, England, Grönland, Jütland, Ostfriesland, Rußland.

  • Ebenfalls mit Artikel stehen Maskulina: der Atlantik, der Balkan, der Rhein, der Senegal (Fluß), der Taunus, der Tessin (Fluß). Einige maskuline Staatsnamen werden gelegentlich auch ohne Artikel gebraucht: [der] Iran, [der] Irak, [der] Jemen, [der] Libanon, [der] Senegal (Staat).

Ohne Artikel stehen …

  • die meisten Neutra, darunter Städte: Alaska, Braunschweig, Dänemark, Europa, Frankreich, Köln, Lothringen, Niedersachsen, Rügen, Schweden, Sibirien, aber: das Elsaß, das Engadin, das Ries, das Tessin (Kanton), das Wallis.

Eine ausführliche Darstellung findet sich in Hans-Jürgen Grimms Lexikon zum Artikelgebrauch.


das oder daß?

Die Wörter das und daß (nach neuer Rechtschreibung: dass) haben sehr unterschiedliche Funktionen:

  • das dient als bestimmter Artikel (das Heft, das Wort), als Demonstrativpronomen (Das ist gut!; Alles, nur das nicht!) und als Relativpronomen (ein Buch, das ich gelesen habe).

  • daß hingegen ist eine subordinierende Konjunktion (ein unterordnendes Bindewort), die einen Nebensatz einleitet: Ich weiß, daß er lügt. daß tritt auch in zusammengesetzten Konjunktionen auf, beispielsweise in außer daß, ohne daß oder so daß.

Oft verwechselt wird das Relativpronomen das mit der Konjunktion daß, vielleicht weil vor beiden oft ein Komma steht und sie beide einen Nebensatz einleiten. Dabei gibt es eine einfache Faustregel, um zu entscheiden, ob man das oder daß schreibt: Läßt sich das fragliche Wort im Satz durch dieses, jenes oder welches ersetzen, schreibt man das mit einfachem s, anderenfalls daß mit Eszett. (dieses und jenes sind beides Demonstrativpronomen; welches ist ein Relativpronomen.)

  • Alles, nur dieses nicht! ⇒ das
  • ein Buch, welches ich gelesen habe ⇒ das
  • Ich weiß, dieses/jenes/welches er lügt. Ergibt keinen Sinn. ⇒ daß

Es gibt Sätze, in denen sowohl das als auch daß einen Sinn ergibt, deren Bedeutung aber unterschiedlich ist (Beispiel von Martin Gerdes):

  • Es ist ein Elend, das (= welches) er nicht vergessen kann.

    Er kann ein bestimmtes Elend nicht vergessen.

  • Es ist ein Elend, daß er nicht vergessen kann.

    Sein Nicht-vergessen-Können ist ein Elend.

Weitere Beispiele von Bernd Gramlich und Armin Saam:

  • Mich bedrückt das Problem, das/daß du im Alkohol ersäufst.
  • Er ging erst in letzter Minute das Wagnis ein, ohne das/daß ihm das Beste entgangen wäre.

Nach den Regeln der Rechtschreibreform schreibt man dass statt daß und sodass (neben so dass) statt so daß; sonst ändert sich hier nichts. In der Schweiz wurde das Eszett schon vor der Reform generell durch Doppel-s ersetzt, und in Österreich war auch vor der Reform schon sodaß in einem Wort gängig.

Entstanden ist daß aus dem Demonstrativpronomen das:

  • Ich weiß das: er lügt.
  • Ich weiß, daß er lügt.

Die Trennung in die beiden noch heute üblichen unterschiedlichen Schreibweisen findet bereits im 16. Jahrhundert statt.

Hochdeutsch werden das und daß gleich ausgesprochen: [das] — anders als in manchem Dialekt, der hier unterscheidet. So bezeichnet [as] im Bairischen den Artikel das, [deːs] das Demonstrativ- und das Relativpronomen (oft »dös« geschrieben, speziell außerhalb Baierns) sowie [das] die Konjunktion daß.

Weitere Informationen zum Eszett und der Rechtschreibreform.

Diese Web-Seiten lieber in neuer Rechtschreibung?


Fugenzeichen

Nein, es existiert kein universell gültiges System; dieselben Komponenten eines Kompositums werden — bei gleicher Bedeutung — regional sogar mit unterschiedlichen Fugenzeichen versehen (nördlich: Schweinebraten, südlich: Schweinsbraten; Untersuchungen hierzu finden sich im Atlas zur deutschen Alltagssprache).

Auch richtet sich das Fugenzeichen nur oft, aber nicht immer nach der ersten Komponente: So heißt es Rindfleisch, Rinderbraten und Rindsleder.

Nein, es besteht auch nicht notwendigerweise ein Zusammenhang mit dem Genitiv — oder irgendeinem anderen Kasus. (Geburtstag — Tag des Geburts?) Weitere Informationen hierzu finden sich beispielsweise im Grammatikduden (Band 4), in Band 9 der Duden-Reihe unter Fugenzeichen sowie hier.


Genitiv und Apostroph

Anders als im Englischen wird im Deutschen der Genitiv eines Vor- oder Familiennamens in der Regel durch schlichtes Anhängen eines s gebildet. Endet bereits die Grundform auf einen S-Laut, so wird meist nur ein Apostroph angefügt:

Name    Form mit Genitiv      Variante ohne Genitiv
Carlo [Zu] Carlos Taverne [Zur] Carlo-Taverne
Carlos[Zu] Carlos' Taverne[Zur] Carlos-Taverne

Eine Verwechslungsgefahr — auch zu den Formen mit Bindestrich — besteht hier nicht, und sogar die Aussprache des »o« bleibt unterschiedlich: in Carlos Taverne [ˈkarlos taˈvɛrnə] weiterhin geschlossen wie in Carlo [ˈkarlo] und in Carlos' Taverne [ˈkarlɔs taˈvɛrnə] weiterhin offen wie in Carlos [ˈkarlɔs]. Wenig berechtigt ist daher die Ausnahmeregelung »zur Verdeutlichung der Grundform« in § 97 der amtlichen Fassung der Rechtschreibreform: »Carlo's Taverne«.

Bemüht klingende zweideutige Sätze lassen sich jedoch konstruieren. So kann Er ist der Bruder Nicolas. sowohl Er ist der Bruder namens Nicolas. als auch Er ist der Bruder von Nicola. heißen.

Nicht immer war der Genitivapostroph so streng geregelt wie vor der Rechtschreibreform. In der Erstauflage des Dudens (1880) findet sich auf Seite XV folgender doch sehr vorsichtig formulierter Satz aus dem preußischen Regelbuch, der die damals nicht unübliche Schreibweise mit Apostroph berücksichtigt:

Bei Eigennamen ist es nicht erforderlich, das s des Genitivs durch einen Apostroph abzutrennen;

Ähnlich vorsichtig (»nicht erforderlich«) äußerte man sich noch bis zur 8. Auflage (1905; Seite XIV) zum Apostroph bei Ausfall des i in der Endung isch bei der Bildung von Adjektiven aus Eigennamen.


Die Zahladjektive hundertein und tausendein

Nur die beiden folgenden zu den Kardinalzahlen …[und]eins gehörigen attributiven Formen werden von den gängigen Grammatiken als korrekter Gebrauch angesehen:

  • gebeugte Form von …[und]ein mit Singular
  • ungebeugt …[und]ein mit Plural

Beispiele (Großschreibung, da Eigenname):

  • Märchen aus Tausendundeiner Nacht
  • Märchen aus Tausendundein Nächten

Insbesondere heißt es nicht aus Tausendundeins Nächten.

Das und ist zwar in beiden Fällen optional, doch besteht die Tendenz, bei Verwendung desselben die gebeugte Form mit Singular zu verwenden, bei Auslassung die ungebeugte mit Plural:

  • ein Bericht von einhundertundeiner Seite
  • ein Bericht von einhundertein Seiten

Die Ordinalzahlen zu hundert[und]eins, tausend[und]eins etc. werden wie die zu eins gebildet und gebeugt, also: am hundertundersten Geburtstag, nicht hundertundeinten. Letztere Form wird von der Duden-Redaktion als »landschaftlich« bezeichnet.


Kommasetzung bei Datumsangaben

Zeitpunkte werden im Deutschen meist in einer der beiden folgenden Weisen ausgedrückt:

  • durch eine Präposition, meist an in der Form am (= an dem);
  • durch einen adverbialen Akkusativ der Zeit (Frage: wann?).

So kann es heißen am Montag oder auch nächsten Montag, im Winter oder diesen Winter, zum Wochenende oder kommendes Wochenende.

Wird ein Zeitpunkt sowohl durch einen Wochentag als auch — im selben Kasus — durch ein Kalenderdatum bezeichnet, so kann die Datumsangabe als Apposition aufgefaßt werden; sie wird dann durch Kommata eingeschlossen:

  • Am Montag, dem 1. Mai, bleibt unser Geschäft geschlossen.
  • Nächsten Montag, den 1. Mai, bleibt unser Geschäft geschlossen.
  • Unser Geschäft bleibt von Montag, dem 1. Mai, bis Sonntag, den 4. Juni, geschlossen. (von mit Dativ, bis mit Akkusativ)

Der adverbiale Akkusativ kann auch ohne kasuskennzeichnende Beifügung stehen:

  • Montag, den 1. Mai, bleibt unser Geschäft geschlossen.

Appositionen sind dabei nicht auf Dativ und Akkusativ beschränkt; auch für andere Kasus gilt, daß eine Apposition in Kommata eingeschlossen wird:

  • Montag, der 1. Mai, war mein freier Tag.
  • Am Morgen des nächsten Montags, des 1. Mais, […]

Nicht weniger üblich ist es jedoch, verschiedene Arten der Zeitangabe in Kombination zu gebrauchen:

  • Am Montag, den 1. Mai bleibt unser Geschäft geschlossen.

Bemängelt wird an dieser Form oft die fehlende Kongruenz (erst Dativ, dann Akkusativ), doch läßt sich diese Art der Zeitangabe besser als Aufzählung deuten: zunächst eine Zeitangabe mit Hilfe einer Präposition, anschließend eine freie Umstandsangabe der Zeit. Aus diesem Grunde steht — anders als bei der Apposition — nach dem Datum auch kein Komma.

Auch Glieder desselben Kasus können natürlich als Aufzählung angesehen werden:

  • Kommenden Montag, den 1. Mai bleibt unser Geschäft geschlossen.

So scheint es, als seien alle denkbaren Kasus- und Kommakombinationen rechtfertigbar, aber dem ist mitnichten so, denn einen Stolperstein gibt es doch: Ein adverbialer Dativ existiert nicht. Nicht zulässig — ob mit abschließendem Komma oder ohne — sind daher …

  • Montag, dem 1. Mai […] (sofern Montag nicht Dativobjekt; dann mit Kommata; sonst falsch)
  • Köln, dem 1. Mai […] (z. B. im Briefkopf; falsch)

Das erklärt auch die alternative Formulierung dieser Kommaregel, wonach das zweite Komma in der Kombination von Akkusativ mit Akkusativ optional ist (da als Apposition oder als Aufzählung deutbar), während es sich bei Dativ plus Dativ um eine Apposition handeln muß und zwei Kommata verpflichtend sind.

Die Rechtschreibreform ebnet auch diese grammatikalische Feinheit ein: Das abschließende Komma einer Dativapposition kann entfallen, jedoch nur bei »mehrteiligen Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben«. Gemäß § 77 (3) der amtlichen Rechtschreibung ist folgende Form somit ebenfalls zulässig:

  • Am Montag, dem 1. Mai bleibt unser Geschäft geschlossen.

Offenbar ist es aber sogar nach der Rechtschreibreform noch immer nicht zulässig, auch bei Kasusinkongruenz — also bei einer Aufzählung — ein zweites Komma zu setzen. Weiterhin unzulässig bleibt somit:

  • Am Montag, den 1. Mai, bleibt unser Geschäft geschlossen. (falsch!)

Verben und Apostroph

(mit Dank an Wolf Busch für seine Hilfe bei der Interpretation der Apostrophregeln in der 9. Auflage des Dudens)

Bei Verwendung des Imperativs Singular ohne Schluß-e steht selbst dann kein Apostroph, wenn die Form mit e möglich ist: Glaube mir!, Glaub mir!. Davon ausgenommen sind nur ungewöhnliche Verkürzungen, etwa wenn sowohl ein unbetontes e als auch das optionale Schluß-e ausfallen: wechsl' statt wechsele, wechsle oder auch wechsel.

Mit dieser einfachen Regel entsorgte man mit der 10. Auflage des Dudens (1929; Seite 25 f. der Vorbemerkungen) das aus heutiger Sicht barock anmutende Gebilde, das in der 9. Auflage (1915; Seite XXIV f.) in folgenden Unterscheidungen seinen Höhepunkt gefunden hatte:

Danach sollte der Imperativ Singular schwacher Verben bei Auslassung des e mit Apostroph geschrieben werden, entsprechend fass' an! ohne Eszett. Starke Verben ohne Stammvokaländerung im Imperativ Singular sollten bei Ausfall des Imperativ-e ohne Apostroph stehen. (Solche mit Stammvokaländerung im Imperativ Singular, also etwa helfen, hilf!, standen ohnehin ausschließlich ohne e, so daß auch kein Buchstabenausfall angezeigt werden mußte.) Ausnahme in der schwachen Gruppe war horch! (»meist« ohne e bzw. ohne Apostroph), Ausnahmen der starken Gruppe bitt'!, lieg'!, sitz'! und heb'!. Weitere Verben, deren Imperativ Singular mit Apostroph zu bilden sei, waren bringen und denken sowie senden und wenden, aber es bleibt dunkel, warum gerade diese explizit genannt wurden, paßten doch beispielsweise lassen, nennen, stehen und stecken genausowenig ins schwach/stark-Schema (laut Wörterverzeichnis nur laß!, nicht lasse!; nenne!, also mit Apostroph; steh[e]!, also ohne; transitiv stecke!, intransitiv steck[e]!).

Wohl aber wird noch heute der Ausfall des Schluß-e speziell in der 1. und 3. Person Singular durch einen Apostroph angezeigt: Ich glaub' dir kein Wort. Ein solcher Apostroph bewirkt jedoch nicht, daß ein vorangehendes Doppel-s zum Eszett mutiert: Ich fass' es nicht!. Jedoch heißt es im Imperativ Faß mit an!, da kein Apostroph steht.

Ickler beschreibt, wohin der Trend wohl auch bei den Nicht-Imperativ-Formen geht:

Verkürzte Verbformen wie ich hör, ich fahr, ich laß gelten heute als ziemlich normal und werden daher meist ohne Apostroph geschrieben; sag' ich, ich lass' usw. sind aber möglich.


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