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Das Genus (die Artikel der, die, das)


Das Genus von Fremdwörtern

Feste Regeln für das Genus eines Fremdworts gibt es nur selten. So kann die Endung ausschlaggebend sein, etwa die für Wörter auf französisch -age und frz./lat. -ion, das für englisch -ing und lateinisch -ment oder der für Wörter auf -er, -or oder frz. -eur. Auch die klangliche Nähe zu einem geläufigen deutschen Wort kann das Genus beeinflussen.

Genausogut kann aber auch das Genus des Worts in der Herkunftssprache das deutsche Genus bestimmen (kein sehr hilfreicher Anhaltspunkt für Wörter aus dem Englischen), und auch das Genus eines deutschen Äquivalents mag übernommen werden. So mag man »die Place de la Concorde« aufgrund des französischen la place rechtfertigen; nicht minder gängig scheint jedoch »der Place …« nach der Platz; das Meter nach lat. n. metrum, aber der Meter aufgrund des -er.

Oft wird beispielsweise behauptet, daß es die E-Mail sein müsse, weil es ja die Post sei. Hätte sich im Laufe der Zeit jedoch der oder das E-Mail als vorherrschend herauskristallisiert, hätten hinterher dieselben Schlauberger wahrscheinlich auf der Brief, das Schreiben oder ein anderes bedeutungsähnliches Nichtfremdwort mit selbem Genus verwiesen, das angeblich ganz klar Vorbild für die Genuswahl gewesen sein muß.

In vielen Fällen ist jedoch keine Systematik ersichtlich. So hat sich das Interface trotz die Schnittstelle herausgebildet, und die Aufgabe hat den Siegeszug von der Task nicht aufhalten können. Auch Genuswandel und schwankendes Genus — nach Region, innerhalb/außerhalb einer Fachsprache oder je nach Kontext — sind nicht selten, etwa der Link im Web (vielleicht nach der Verweis), aber das Missing Link in der Biologie (vielleicht nach das Bindeglied), die Demo von Demonstration, das Demo speziell in der Musikbranche von das Demo-Band.


Heißt es der, die oder das FAQ[L]?

  • FAQ, die; -, -s [Abk. für engl. frequently asked question]: häufig gestellte Frage.

  • FAQL, die; -, -s [Abk. für engl. FAQ list]: Liste von FAQs (siehe FAQ), oft mit zugehörigen Antworten.

Anwendungsbeispiel: Bitte entschuldigt, wenn es sich bei meiner Frage um eine FAQ handeln sollte, aber ich habe zu dieser Gruppe keine FAQL finden können. Oder aus dem Englischen: How can I add a FAQ and its answer to the FAQ list? (Russell Schulz, comp.lang.awk, 1997-05-24)

FAQ wird pars pro toto auch im Sinne von FAQL verwendet. Anderer Ansicht scheinen die Redaktionen von Duden und Wahrig, die in der 22. Auflage des Dudens …

FAQ […] Plur. <engl. frequently asked questions> (EDV Informationen zu besonders häufig gestellten Fragen)

… bzw. in der 7. Auflage des Wahrigs (beide 2000) FAQ entgegen dem tatsächlichen Wortgebrauch zum Plural erklären:

FAQ <Abk. für engl.> Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen (von Internetnutzern)


… der, die oder das File (Directory)?

Ganz einfach: Es heißt die Datei und das Verzeichnis; das verstehen auch mehr Leser.


… der oder das Blog?

Blog (Genitiv Singular des Blogs, Plural die Blogs) ist eine aus dem englischen Sprachraum stammende Verkürzung des Worts web log und bezeichnete ursprünglich die Veröffentlichung von Artikeln im Web in Form eines Tagebuchs, angelehnt an das logbook — oder kurz log.

Schon vor dem Aufkommen von Weblog und Blog war im Deutschen das Wort Log speziell im EDV-Umfeld in der Bedeutung Protokoll (im Sinne von Niederschrift, Mitschnitt) gängig und stimmte im Genus mit seiner Langform Logbuch, eigentlich ein Schiffstagebuch, und dem Gerät zur Messung der Geschwindigkeit eines Schiffs überein: das Logbuch, das Log. Unklar ist, ob für das EDV-Log das Genus vom ursprünglich zur Messung verwendeten Holzklotz oder vom Buch übernommen wurde. Dabei findet sich in deutschen Wörterbüchern — anders als in englischen — Log nur in der Bedeutung des Meßgeräts, nicht als Verkürzung von Logbuch.

Danach würde man das Neutrum das Blog erwarten, was dem ursprünglichen Gebrauch entspricht und was eine große Gruppe deutschsprachiger Blogger und anderer Schreiber auch heute noch so gebraucht. Etwas häufiger begegnet man mittlerweile jedoch auch dem Maskulinum der Blog, möglicherweise in Unkenntnis der Herkunft des Worts und aufgrund der klanglichen Nähe zu der Block.

Im Jahre 2006 nahmen Duden (24. Auflage) und Wahrig (8. Auflage) das Wort Blog auf, zwischen Blödsinnigkeit und blöken. Als Genus verzeichnen beide in Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Gebrauch sowohl das Maskulinum als auch das Neutrum.

Persönliche Empfehlung: das Blog, aufgrund der Etymologie und zur lautlichen Unterscheidung vom (Papier-)Block, der ja ebenfalls für Aufzeichnungen verwendet werden kann. (Ja, ich weiß: hilft nicht im Genitiv und im Dativ.)


… der, die oder das Dschungel?

Die Entwicklung des Worts Dschungel im Deutschen beginnt offenbar mit dem rein pluralisch gebrauchten die Dschangeln/Dschungeln ohne explizite Genusangabe (belegt seit der ersten Duden-Auflage des Bibliographischen Instituts bis zur 8. Auflage, 1880 bis 1905); etwas später heißt es dann konkreter »Dschangel/Dschungel w.; -, -n« (9. Auflage von 1915 bis zur 11. Auflage von 1934).

Die 12. und die 13. Auflage (1941 und 1949) führen alle drei Genera gleichberechtigt auf (»m. od. s.; -s, -; od. w.; -, -n«), jetzt aber nur noch unter Dschungel; zusätzlich findet sich dort die Fußnote, daß das Österreichische Regelbuch von 1935 ausschließlich die weibliche Form verzeichne — übereinstimmend mit den Duden-Ausgaben jener Zeit. Diese Fußnote entfällt in Ost (1951) und West (1954) mit der darauffolgenden Auflage; die drei Genera stehen ohne Wertung gleichberechtigt nebeneinander — wie im einbändigen Wahrig noch 2000 und im Mackensen. Die 15. West-Auflage (1961) ändert daran nichts.

Die 16. Auflage (1968) bezeichnet das — außer für Österreich — als »selten«, die ebenfalls, jedoch ohne regionale Einschränkung. In der 17. Auflage (1973) wird dieser Hinweis auf Österreich getilgt; das Dschungel wurde — wie die Dschungel — also generell als »selten« eingeordnet. So bleibt es auch in der 18. Auflage (1980). Der sechsbändige Wahrig (1981) und Knaurs Rechtschreibung (1989) folgen dem.

Seit der 19. Auflage (1986) fehlt die weibliche Form ganz; das verbleibt als »selten«. Bertelsmann (1996) schließt sich dem an. In der letzten Auflage des Ost-Dudens (1985) war der Hinweis auf die Dschungel mit dem Zusatz »veraltet« noch zu finden. Auch der Zweifelsfallduden (West) weist noch in dieser Form auf alle drei Genera hin.

Vorläufigen Abschluß der Entwicklung bilden das Neue deutsche Wörterbuch von Heyne (1996) und die 38. Auflage des ÖWB (1997), die nur noch der Dschungel verzeichnen.


… der oder das Filter?

Beide Genera sind üblich und nach den gängigen Wörterbüchern auch zulässig, wobei im technischen Bereich das bevorzugt wird.


… der oder das Meter?

Das Genus von Meter schwankt nach Bedeutung, Region und Umfeld.

Für die Längeneinheit sind sowohl der als auch das gebräuchlich, ebenso in Zusammensetzungen in dieser Bedeutung, etwa Kilometer und Zentimeter. Im technischen Bereich herrscht das vor, in Richtung Süden des deutschen Sprachraums besteht eine stärkere Tendenz zu der Meter (in der Schweiz laut Wörterbüchern ausschließlich der).

Meßinstrumente auf -meter — wie Barometer, Chronometer, Hygrometer und Thermometer — sind in Wörterbüchern nahezu ausnahmslos als Neutra verzeichnet; jedoch ist auch hier im Süden der gängig (vergleiche der Radio), was von einigen Verzeichnissen als »landschaftlich« zugestanden wird. Eine Ausnahme ist Tachometer: Erst in neueren Werken sind beide Genera aufgeführt, und der wird gelegentlich als »umgangssprachlich« abgewertet. Tatsächlich überwiegt der im Gebrauch jedoch deutlich, nicht nur im Süden, und noch klarer scheint das Verhältnis bei der Kurzform der Tacho zu sein, für den Suchmaschinen rund die zehnfache Häufigkeit verzeichnen.

Einigkeit besteht bei Tätigkeiten auf -meter, z. B. der Geometer, und Zusammensetzungen wie der Hexameter und der Parameter.


… der oder das Modem?

Nach der Herkunft modulator/demodulator eigentlich der Modem, wenngleich die Mehrheit das Modem (mit Betonung auf der ersten Silbe, entsprechend Tandem) zu bevorzugen scheint, so auch der Wahrig, der die Betonung in früheren Auflagen aber auf die letzte Silbe legte; der Plural lautete und lautet dort Modeme. Modems ist aber wohl die gebräuchlichere Mehrzahlform.


… der oder das Modul?

Im Sinne von Komponente eines Gesamtsystems heißt es das Modul (Betonung auf u; Plural: die Module). Der Modul (Betonung auf o; Plural: die Moduln) wird in Mathematik und Physik verwendet und hat eine gänzlich andere Bedeutung. Beide sind jedoch vom lateinischen modulus abgeleitet.


… der oder das Puder?

Wenngleich im Grimm von 1889 Belege für beide Genera angeführt werden, nach den meisten modernen Wörterbüchern der; lediglich in späteren Duden-Ausgaben (Ost wie West) »landschaftlich«, »umgangssprachlich« und »österreichisch« auch als das verzeichnet, vielleicht parallel zum Genus des bedeutungsähnlichen Pulver, mit dem Puder (dem frz. poudre (Staub, Pulver) entlehnt) ja verwandt ist.


… der oder das ROM?

Im Aussterben begriffen scheint der ROM — möglicherweise ohnehin nur auf ein implizites -Baustein oder -Chip bezogen; der Duden verzeichnet nur das.

Da das Genus eines zusammengesetzten Substantivs durch den letzten Bestandteil bestimmt wird (Ortsnamen bilden hier eine Ausnahme), muß es entsprechend das CD-ROM heißen, selbst wenn es die CD ist. Dies scheint der Aufmerksamkeit der Duden-Redaktion entgangen zu sein. die ROM-CD wäre zwar ungewöhnlich, aber akzeptabel.

Gelesen wird das CD-ROM genau wie die Compact Disc von einem Laserstrahl […]

(Omni, Februar 1985, Seite 18)


… der oder die Task?

Laut Fremdwörterduden ist es der Task. Die Task (wohl nach die Aufgabe) hat zwar eine lange Geschichte in der Informatik und ist bereits 1971 in IBMs Wörterbuch Fachausdrücke der Datenverarbeitung dokumentiert, aber die Häufigkeit liegt selbst in Fachtexten nur noch bei rund der Hälfte von der Task (Suchmaschinenrecherche in diversen Kasus und grammatikalischen Konstrukten vom Oktober 2009).


… der, die oder das Triangel?

Heute der Triangel (österreichisch: das; Genitiv: des Triangels; Plural: die Triangel).

Musikinstrument, Türscharnier und Fischfanggerät gehen zwar alle auf dieselbe indogermanische Wurzel zurück, scheinen sich aber schon vor geraumer Zeit voneinander getrennt zu haben, stehen also untereinander nicht in direkter Verbindung. Inbesondere nahm das Dreieck den Umweg über das Lateinische und wurde ursprünglich Triangul geschrieben. Über das Genus scheint aber noch nicht lange Einigkeit zu bestehen. So schrieb Jacob Grimm 1852: oft im geschlecht und nach den bedeutungen schwankend, Luther braucht angel hamus männlich, angel cardo weiblich, was andere gerade umdrehen. doch scheint hochdeutscher mundart das angemessenste, jede dieser bedeutungen männlich zu gebrauchen.


… der oder das Tunnel?

Standardsprachlich wird Tunnel auf der ersten Silbe betont und ist männlichen Geschlechts. Als Plural sind sowohl die Tunnel als auch die Tunnels üblich, wobei die Tunnel aber weit überwiegt. Daneben verzeichnet das Grimmsche Wörterbuch die »vereinzelt« vorkommende Pluralform die Tunnele und der Atlas zur deutschen Alltagssprache speziell im Südwesten vereinzelt die Tunneln.

Vor allem im süddeutschen Raum, in Österreich und in der Schweiz hat sich jedoch auch noch die — nach der Aussprache im Französischen — endbetonte Form das Tunell erhalten, die laut Grimm bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch im ganzen Sprachgebiet üblich war. Der Plural lautet hier nach den meisten Wörterbüchern die Tunelle; Mackensen (1977) nennt statt dessen die Tunells.


… der oder die URL?

URL ist die Abkürzung für Uniform Resource Locator. Im Deutschen sind Nomina agentis (Träger eines Geschehens; hier also etwas, das etwas auffindet bzw. auffinden hilft) auf -ator von Verben auf -ieren (hier lozieren) Maskulina, so daß man der URL vermuten würde, erhalten Abkürzungen ihr Genus doch meist nach der Vollform (hier der Lokator).

Tatsächlich ist dieser Gebrauch aber eher selten. (Andere Abweichungen sind beispielsweise das Foto, das Kino trotz die Fotografie, der Kinematograph; siehe auch der/das Modem weiter oben. Wolf Schneider leitet Kino in Wörter machen Leute passend zum Genus von Kinematographentheater ab.) Vorherrschend ist vielmehr die URL. Peter Brülls vermutet einen Transfer vom ähnlich klingenden die Uhr, einem bekannten femininen Substantiv. Andere sehen eine Ähnlichkeit zum Namen Ursula oder assoziieren das Wort mit die Adresse.

Der zehnbändige Duden von 1999 und die 22. Duden-Auflage von 2000 bestätigen den Gebrauch beider Genera und bezeichnen der URL als »selten«.


… der oder das Virus?

das Virus (dito Genus), ganz gleich, ob in der Biologie oder in der Informatik. (Ja, ich weiß, was im Duden steht.)


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