08/15 · Bärendienst · Broiler · deutsch · Effeff · Eigenvektor, Eigenwert · Geheimrat · grüne Neune, Daus · guten Rutsch · Hechtsuppe · Jeep · Ketchup · Mädchen · man, Mann, Mensch · Puppen · Quantensprung · Rebus · Stegreif · Stilleben · tschüs · türken · Unbill, Unbilden · Firmennamen, Marken

Wortbedeutung und Etymologie


Wieso wünscht man einen Guten Rutsch?

Einen guten Rutsch! — das wünscht man einander zum Jahreswechsel. Doch obgleich dieser im deutschsprachigen Raum oft von Schneematsch und Glatteis begleitet ist, hat der Wunsch damit nichts zu tun, und auch die Assoziation mit dem Hineingleiten ins nächste Jahr (Einen guten Rutsch ins neue Jahr!) ist nur eine Volksetymologie. Rutsch soll hier vielmehr mit Umweg über das jiddische/rotwelsche rosch auf das hebräische rosh zurückgehen, was Kopf oder auch Anfang heißt. Man wünscht einander also schlicht einen guten (Jahres-)Anfang.

Diese häufig kolportierte Deutung ist jedoch nicht unstrittig; gegen sie spricht insbesondere das Fehlen jeglicher früher Belege für den Gebrauch von Rutsch im Sinne von Jahresanfang. Lange belegt hingegen ist Rutsch im Sinne von Reise, insbesondere der glückliche Rutsch als Wunsch zur guten Reise, beispielsweise in Karl Friedrich Wilhelm Wanders Sprichwörterlexikon von 1867 (Band 4); Lutz Röhrich datiert das Aufkommen von Rutsch im Sinne von Reise auf die Zeit um 1850 und verbindet den Neujahrswunsch mit der Vorstellung eines »Hinübergleitens«; eine mögliche Herkunft aus dem Hebräischen erwähnt er nicht.

Somit ist der gute Rutsch vielleicht doch einfach nur der übertragene Wunsch einer guten Reise ins neue Jahr, möglicherweise verstärkt durch das jahreszeitübliche Wetter.

Das passende Gedicht zur Jahreszeit: Dunkel war's, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur …


Woher kommt der Ausdruck 08/15?

nullachtfünfzehn <indekl. Adj.> [aus der Soldatenspr.; übertr. von dem im Jahr 1908 im dt. Heer eingeführten u. 1915 veränderten Maschinengewehr auf das Einerlei des sich ständig wiederholenden Unterrichts an dieser Waffe]

(Duden in 8 Bänden)

Die gleichnamige Romantrilogie des Schriftstellers Hans-Hellmut Kirst und deren Verfilmung haben sicherlich zur Popularisierung des Begriffs beigetragen.


… die Wendung jemandem einen Bärendienst erweisen?

Jemandem einen Bärendienst zu erweisen heißt, jemandem trotz guter Absicht zu schaden. Die Redewendung ist laut Mackensen seit ca. 1900 in Gebrauch und geht — laut Duden »vielleicht« — auf die Fabel L'ours et l'amateur des jardins (Der Bär und der Gartenliebhaber; Buch 8, Nr. 10) von Jean de la Fontaine (1621–1695) zurück. Dort will ein Bär diensteifrig eine Fliege von der Nase des schlafenden Gärtners verscheuchen, indem er einen Pflasterstein nach ihr wirft — was weder die Fliege noch der Gärtner überleben.


… die Bezeichnung Broiler für Grillhähnchen?

Broiler, der; -s, -; [engl. broiler, zu: to broil = braten, grillen]

(Duden in 8 Bänden)

to broil wiederum kommt vom mittelfranzösischen bruillir (brûler).

Broiler ist im Gebiet der ehemaligen DDR gebräuchlich.


… das Wort deutsch?

Vorratsdatenspeicherung? Nein, danke!

Anders als viele andere Sprach- und Nationalitätsbezeichnungen geht deutsch nicht auf den Namen eines Stammes oder einer Volksgruppe zurück, auch nicht auf teutonisch, sondern vielmehr auf mhd. diutisch/diutsch, tiutsch/tiusch (deutsch), ahd. diutisk (verwandt mit gotisch þiudiskô, heidnisch), alles Adjektive (mit Endungen entsprechend nhd. -isch), die zurückgehen auf germ. þeuðo, got. þiuda, ahd. thiot[a], diot[a], mhd. diet, allesamt Volk, Stamm bedeutend. Auch das engl. Dutch läßt sich über das Mittelniederländische hierauf zurückführen. Auf dieselbe Wurzel wie deutsch geht übrigens auch deuten zurück, was dem Volk verständlich machen heißt.

Der älteste Beleg stammt aus dem Jahre 786: In einem Bericht wird festgestellt, daß Beschlüsse einer angelsächsischen Synode sowohl auf Lateinisch als auch theotisce (volksgemäß, in der Art des Volkes, volkssprachlich) verlesen worden seien, damit jeder sie verstehen könne. (In diesem Fall bezieht sich theotisce sogar auf das Englische.) theodiscus (daraus it. tedesco) ist zwar die älteste überlieferte Form; es handelt sich dabei jedoch um die Latinisierung der (rekonstruierten) westfränkischen Form þeodisk, nicht umgekehrt.

lingua theodisca, eigentlich Volkssprache, bezeichnete dabei die Sprache des ungebildeten Volks im Unterschied zur lingua latina, dem Latein der Gelehrten und der Kirchenautoritäten, im engeren Sinne die Sprache der germanischen Völker im Ostteil des Frankenreichs im Unterschied zur lingua Romana, der Volkssprache in dessen Westen. Das vorher übliche fränkisch war — nachdem sich das Frankenreich nach dem romanischsprachigen Westen ausgedehnt hatte — zu dieser Unterscheidung nicht mehr geeignet. Das Pendant zu westfränkisch þeodisk für deutsch war walhisk (welsch, nach dem Namen eines keltischen Stammes) für romanisch.

(Zu den fremdsprachlichen Bezeichnungen für Deutschland und Deutscher siehe auch den Abschnitt über Tschechei/Tschechien.)


… das Wort Effeff?

Etwas aus dem Effeff zu können heißt, eine Sache in Perfektion zu beherrschen. Die Herkunft der Wendung ist nicht geklärt.

Nach einigen aus der Sprache der Waarenmanufacturen entlehnt, wo man mit f, ff und fff: feine, feinere und feinste Waaren bezeichnet. Nach andern dagegen ist die Redensart juridischen Ursprungs. Die alten Juristen citirten nämlich häufig das Corpus juris, von dem ein wichtiger Theil, die Pandekten, noch mit ff bezeichnet werden. Wer die Pandekten recht häufig citirte, galt für einen gelehrten Juristen. Je öfterer nun die ff in seiner Schrift vorkamen, desto besser. Etwas aus dem ff thun, hiess also ursprünglich: etwas gründlich und mit Geschicklichkeit thun. Vom juridischen Boden ging die Redensart in das alltägliche Leben über, wo sie denn ebenfalls Gründlichkeit und Tüchtigkeit bezeichnet. Manche erklären den Ausdruck auch aus der musikalischen Bezeichnung mit f und ff für das verschiedene Anschwellen der Töne. Demnach wäre aus dem ff das, was in seiner Art am stärksten hervorträte. Einige wollen die Redensart aus der italischen Amtssprache herleiten. Die Beamten der italischen Städte sollen nämlich auf Bittschriften, die sie für die Gewährung geeignet fanden, vorläufig ein F gesetzt haben, womit sie sagen wollten: fiat = es geschehe. Ging das Gesuch durch, so bemerkte man dies mit einem doppelten ff = fiat, fiat, d. i. es werde sofort ausgeführt.

(Karl Friedrich Wilhelm Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1867)

In Partituren steht f für forte (laut), ff für fortissimo (sehr laut). Das ff für das Corpus juris civilis versucht man aus einem kleinen griechischen Buchstaben Pi (für Pandekten), bei dem die senkrechten Striche nach oben verlängert wurden, oder aus einem durchgestrichenen D (für Digesten) zu erklären.


Woher kommen die mathematischen Begriffe Eigenvektor und Eigenwert?

(mit Dank an Dirk Blunk für seinen Hinweis auf die Hilbert-Veröffentlichung von 1904)

Wenngleich es einen Göttinger Physiko-Chemiker und Nobelpreisträger namens Manfred Eigen gibt, ist dieser doch nicht Namensgeber für die der linearen Algebra entstammenden Begriffe Eigenvektor und Eigenwert, die im Englischen als eigenvector und eigenvalue gebräuchlich sind. Vielmehr wird eigen hier in der Bedeutung charakteristisch, eigentümlich, einer Sache innewohnend gebraucht.

Die Begriffe in dieser Bedeutung prägte David Hilbert in seinem Artikel Grundzüge einer allgemeinen Theorie der linearen Integralgleichungen aus dem Jahre 1904, veröffentlicht in den Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, mathematisch-physikalische Klasse. Eingeführt werden sie dort auf Seite 51:

Insbesondere in dieser ersten Mitteilung gelange ich zu Formeln, die die Entwickelung einer willkürlichen Funktion nach gewissen ausgezeichneten Funktionen, die ich Eigenfunktionen nenne, liefern: […] Dieser Erfolg ist wesentlich durch den Umstand bedingt, daß ich nicht, wie es bisher geschah, in erster Linie auf den Beweis für die Existenz der Eigenwerte ausgehe, sondern vielmehr zunächst ein allgemeines Entwicklungstheorem (S. 69–70) aufstelle und dann aus diesem ohne Mühe die Bedingungen für die Existenz der Eigenwerte und Eigenfunktionen abzuleiten vermag.

Manfred Eigen wurde im Jahre 1927 geboren und scheidet damit als Namenspatron klar aus.

Der älteste Beleg für den Gebrauch dieser mathematischen Begriffe im Englischen findet sich laut Oxford English Dictionary in der Zeitschrift Nature vom 23. Juli 1927.


Was ist am Geheimrat geheim?

Geheimrat (auch Geheimer Rat), ursprünglich Titel eines persönlichen Beraters (consiliarius intimus) eines Landesherrn oder Monarchen, bezeichnete später einen hohen Beamten oder einen Mitarbeiter eines Ministeriums. Geheim wurde hier nicht in der heute gängigen Bedeutung heimlich gebraucht, sondern im älteren Sinne vertraut, eng verbunden, zum Heim gehörig. (Man vergleiche auch Sekretär (= Geheimschreiber).)


Woher kommen die Ausrufe ach, du grüne Neune! und ei der Daus!?

Über die Herkunft dieser beiden Ausrufe des Erstaunens oder der Verwunderung besteht keine Einigkeit. Einigen Quellen zufolge soll die grüne Neune eine Spielkarte bezeichnen (Grün im deutschen Blatt entspricht Pik), der Daus vielleicht verhüllend den Teufel. Andererseits steht das Daus (aus mhd. dûs, tûs, mfrz. deus, altfrz. doues, lat. duo) auch für zwei Augen im Würfel- und Kartenspiel sowie für das As. Auch im Englischen wird deuce in all diesen Bedeutungen und Redewendungen gebraucht.

Als weitere mögliche Erklärung für die grüne Neune nennt Röhrich ein Berliner Vergnügungslokal »Conventgarten« in der Blumenstraße 9 mit Haupteingang am Grünen Weg, das nach 1852 »ein billiges Tanzcafé und Stätte mancher Handgreiflichkeiten« geworden sein soll. Andere Quellen berichten von einem in besagter Blumenstraße 9 in Friedrichshain gelegenen Theater (Königstädtisches Vaudeville-Theater), das 1855 von Franz Wallner übernommen wurde und in dem »Halbwelt-Dramen« gespielt worden sein sollen. Der »Grüne Weg« heißt heute »Singerstraße«.


Woher kommt das Wort Hechtsuppe?

Wenn es wie Hechtsuppe zieht, dann ist damit gemeint, daß ein starker Luftzug herrscht. Die Herkunft dieses Ausdrucks ist nicht geklärt. Die meisten Quellen vermuten eine Verbindung mit hebräisch hech supha, was sturmartig heißt. Röhrich vermutet im Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten alternativ, daß die Wendung auf einem Wortspiel beruhen könne, da Fischsuppe lange ziehen müsse, um schmackhaft zu werden.


… das Warenzeichen Jeep?

Für die Herkunft der Bezeichnung Jeep für einen Geländewagen werden im allgemeinen zwei Quellen angenommen:

1936 führte Elzie Crisler Segar die Figur Eugene the Jeep in seinen überaus populären Comic Thimble Theater (bekannt durch die Figur Popeye) ein, Jeep nach dem vogelartigen Laut, den dieses Fabelwesen, das einem Teddy mit langer Nase und Katzenschwanz glich, von sich gab. In der Folge wurde so manche Person und manch ungewöhnlicher Apparat als Jeep bezeichnet, darunter 1937 auch eine Kombination aus Laster und Traktor eines Herstellers aus Oklahoma. Auch Irving Hausmann, Testfahrer von Willys-Overland, einem der Hersteller der ersten »echten« Jeeps, will 1941 gegenüber der Presse diesen Namen verwendet haben; mit dem Jahr 1941 beginnt auch die Liste der schriftlichen Belege von Jeep in seiner heute bekannten Bedeutung.

Nach einigen Quellen wurde, speziell in US-Militärkreisen, auch schon vorher — die Angaben weisen bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs zurück — das Wort Jeep verwendet.

Weitere Quelle ist der Ford GP, ein Aufklärungsfahrzeug mit Allradantrieb und einer Ladekapazität von einer viertel US-Tonne, das 1941 in Serie ging und primär von den US-Streitkräften eingesetzt wurde und in Konkurrenz mit obengenanntem Gefährt von Willys-Overland stand. Wie ein Ford-Wartungshandbuch aus dem Jahre 1941 belegt, steht G für Government, also für Produktionen im Regierungsauftrag. Der zweite Buchstabe bezeichnet das Modell, P einen Wagentyp mit einem Radstand von 80 Zoll. Eine mnemonische Bedeutung dieser zweiten Stelle ist — auch für die anderen dort verwendeten Buchstaben und Ziffern — nicht ersichtlich. Später wurden die Buchstaben GP irrig als Abkürzung für general-purpose (Allzweck-) umgedeutet, was jedoch auch dem Zweck dieses Wagentyps entgegenläuft.

Willys-Overland Motors wurde 1945 nach mehrjährigem Rechtsstreit Schutz für den Namen Jeep gewährt. Heute beansprucht Chrysler die Marke Jeep.

Im englischen Sprachraum, so etwa in der Hausorthographie der New York Times, wird manchmal unterschieden zwischen jeep für diesen Typ von Militärfahrzeug und Jeep für den zivilen Geländewagen dieses Markennamens.


… das Wort Ketchup?

Ketch|up […], der od. das; -[s], -s [engl. ketchup <malai. kechap = gewürzte Fischsoße] …

(Duden in 8 Bänden)

ketchup (…). Also 8 kitchup: see also catchup. [app. ad. Chinese (Amoy dial.) kôechiap or kê-tsiap brine of pickled fish or shellfish (Douglas Chinese Dict. 46/1, 242/1). Malay kechap (in Du. spelling ketjap), which has been claimed as the original source (Scott Malayan Wds. in English 64–67), may be from Chinese. …]

(Oxford English Dictionary, 2nd edition)


… das Wort Mädchen?

Mädchen entstand im 17. Jahrhundert aus Mägdchen, der Verkleinerungsform zu Magd (ahd. magad, mhd. maget, daraus auch mhd. meit, nhd. Maid; idg. magho-s jung).

Als Diminutiv ist Mädchen sächlichen grammatikalischen Geschlechts; trotzdem folgt ein weiter entfernt stehendes Pronomen oft dem biologischen Geschlecht: »Silke war ein aufgeschlossenes Mädchen, das guten Kontakt zu seinen Kameradinnen fand. Besonders bemühte sie sich auch um ihre Schwester.« (Beispiel aus Duden, Band 9)

Mädchen ist ebenfalls ein Diminutiv zu Made. Made ist jedoch nicht mit Magd verwandt, möglicherweise jedoch mit Motte.


… die Redewendung bis in die Puppen?

Ein im 18. Jahrhundert im Berliner Tiergarten angelegter Platz namens Großer Stern war mit Statuen geschmückt, die im Volksmund Puppen genannt wurden. Ein Spaziergang bis an die Puppen oder bis über die Puppen (hinaus) war ein sehr weiter, da besagter Platz — vom damaligen Stadtkern aus — sehr entlegen war. Später wandelte sich die ursprünglich räumliche Bedeutung, und bis in die Puppen wurde und wird primär auf exzessive Zeitdauern angewandt, nämlich im Sinne von sehr spät, sehr lange, bis in den Morgen. Die Redewendung ist seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegt.

Ein seltener vorgetragener alternativer Erklärungsversuch bezieht sich auf die Bedeutung mehrere zusammengestellte Getreidegarben des Worts Puppe. Wenn es bis in die Puppen regnet — also im Übermaß —, dann wird nicht nur die äußere Deckgarbe naß, sondern auch das Innere der Puppe.

Beide Deutungen haben ihre Kritiker, die sie als unbewiesen oder als nicht überzeugend ablehnen.


… aus dem Steh-greif?

Man mag die Wendung aus dem Stegreif zwar mit aus dem Stand oder aus der Luft gegriffen assoziieren (daher so oft fälschlich die Schreibweise »Stehgreif«); dennoch geht Steg-reif weder auf stehen noch auf greifen zurück, sondern auf steigen und Reif. Es handelt sich um ein heute nicht mehr gebräuchliches Wort für Steigbügel, der ja die Form eines halben Reifens mit einem Steg (Sohle genannt) hat. Aus dem Stegreif heißt demnach ohne es für nötig zu erachten, erst vom Pferd abzusteigen, ohne langes Überlegen, unvorbereitet, schnell entschlossen — oder lateinisch ad hoc.

Der -reif im Stegreif ist dabei zwar mit dem Wort Reif im heutigen Sinne verwandt, bedeutete ursprünglich aber Seil, Strick oder Band und bezeichnete eine entsprechende Fußschlinge am Sattel. Reif ist mit dem niederdeutschen Reep (wie in Reeperbahn, dem Ort, wo Schiffstaue gefertigt wurden), dem englischen rope und durchaus auch mit dem modernen Reifen verwandt, der ursprünglich ein ringförmiges Eisenband um Fässer und Räder bezeichnete.


Wie spricht und trennt man Stilleben?

Stilleben, die bildliche Darstellung lebloser oder unbewegter Gegenstände, wird mit kurzem »i« gesprochen und Still-leben getrennt, da von still — nicht Stil — abgeleitet. (Vergleiche niederländisch stilleven, englisch still life, französisch nature morte.) Ohne Trennung fällt nach klassischer Rechtschreibung das dritte »l« aufgrund des folgenden Vokals aus. Die Reformschreibweise ist entsprechend Stillleben.

Auf der Seite zur Rechtschreibung finden Sie weitere Informationen zu Wörtern mit Dreifachkonsonanten und den etwaigen Ausfall von Buchstaben.


Woher kommt der Abschiedsgruß tschüs?

Von lateinisch ad deum (wörtlich zu Gott, also jemanden der Fürsorge durch Gott empfehlen/anvertrauen; siehe auch den Abschiedsgruß Gott befohlen!) über spanisch adiós zu niederdeutsch adjüs. Verwandt: ade, adé, adieu, tschö. Nicht verwandt: tschau, ciao; diese sind mit italienisch schiavo (Sklave) verwandt und entsprechen damit zu Ihren Diensten! und Servus!).

Der Ost-Duden ließ schon 1976 neben tschüs (mit langem »ü« gesprochen) auch die Schreibweise tschüß (mit kurzem »ü«) zu, ebenso Theodor Ickler in seinem Rechtschreibwörterbuch aus dem Jahre 2000; keine Auflage des West-Dudens legitimierte diese jemals; bei dem Zusatz in eckigen Klammern (tschüs! [auch: tschüß]) in älteren Auflagen handelte es sich nur um einen Aussprachehinweis (siehe Hinweise für den Benutzer; vergleiche beispielsweise die Einträge zu Charis, Cid oder Orchester). Spätere Auflagen bedienen sich hier der Lautschrift, um Verwechslungen mit der Rechtschreibung zu vermeiden.

Da die Rechtschreibreformer das Eszett in bestimmten Fällen durch Doppel-s ersetzen, fand 1996 auch die Schreibweise tschüss Eingang in die 21. Auflage des Dudens (zusätzlich zu tschüs).


… etwas türken?

türken — daraus das Partizip getürkt — und einen Türken bauen/stellen heißt fingieren, inszenieren, vorspielen, vortäuschen.

Ein Deutungsversuch basiert auf dem im Jahre 1769 vom österreichischen Erfinder Wolfgang von Kempelen (1734–1804) gebauten Schachautomaten, der aufgrund der Aufmachung seines vorgeblich mechanischen Spielers Der Türke genannt wurde. Tatsächlich verbarg der Automat jedoch einen menschlichen Gegner, der diese Figur bediente. Bekannt ist der Stich der Illustrated London News aus dem Jahre 1845, der — um den Blick auf das vorgegaukelte mechanische Innenleben des Automaten freizugeben — die Truhe mit geöffneten Türen zeigt, dahinter den Türken am Schachbrett, in einer Hand einen Stab, der zum Bewegen der Spielfiguren verwendet wurde. Der Automat sorgte gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts während Tourneen durch Europa und Amerika, die von Johann Nepomuk Mälzel (1772–1838) organisiert wurden, für viel Aufsehen. Der Automat verbrannte 1854 in einem Museum in Philadelphia.

Gegen diese Etymologie spricht, daß das Oxford English Dictionary unter Turk die veraltete Bedeutung a human figure at which to practise shooting (dem heutigen Pappkamerad entsprechend) verzeichnet und hierfür Belege vorweist, die bis ins Jahr 1569 zurückreichen. Das läßt eher auf das Feindbild europäischer Armeen während der Zeit der Türkenkriege als Herkunft schließen.

Im Grimm wird die Bedeutung gefechtsübung gegen einen angenommenen feind für Türke durch Quellen ab 1900 belegt. Weiter heißt es dort: »in der wendung einen türken stellen im sinne von bei besichtigungen jemandem etwas vormachen in die heutige umgangssprache gedrungen. vielleicht erklärt sich diese eigenartige bezeichnung aus der vielfach eingerissenen übung, eine unter ausnutzung der verbreiteten Türkenfurcht für einen heereszug gegen die Türken ausgeschriebene steuer für andere, vielfach eigennützige und der allgemeinheit abträgliche zwecke zu verwenden«. Das Verb türken ist laut Etymologieduden eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts.

Als weitere Quelle wird, etwa im sechsbändigen Wahrig, gelegentlich die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahre 1895 genannt: Ein Orchester soll anläßlich der Ankunft einer Abordnung des Osmanischen Reichs mangels Noten für die Nationalhymne ersatzweise — wegen des Halbmondes in der Flagge — das deutsche Volkslied Guter Mond, du gehst so stille gespielt haben. Selbst wenn diese Geschichte wahr sein sollte, so fand sie wohl doch zu spät statt, um Ursprung für die Wendung sein zu können.


Firmennamen, Marken u. ä.

Name       Herkunft
2CV        frz. deux chevaux (zwei Pferde(-stärken); eigentlich chevaux vapeur, eine Kfz-Steuerklasse)
3Com       Computer Communication Compatibility
3M         Minnesota Mining [and] Manufacturing [Company]
4711       Hausnummer
A&P        engl. [The Great] Atlantic & Pacific [Tea Company]
ABC        Arnika, Belladonna, Capsicum (ursprüngliche Wirkstoffe des Pflasters)
ABUS       August Bremicker und Söhne (Firmengründer)
Acryl      Akrolein, grch. hyle (Holz, Materie)
adidas     Adolf »Adi« Dassler (Firmengründer)
Ado        Aschendorf (Sitz der Gardinenwerke)
AEG        Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
Agfa       AG für Anilinfabrikation
Akrolein   grch. akros (äußerst), lat. olere (riechen)
Aldi       Albrecht-Discount (Firmengründer Karl und Theo Albrecht)
Alete      lat. für gedeihet! (eigentlich korrekt alite)
ARAG       [Deutsche] Auto-Rechtsschutz-AG (heute: Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG)
Aral       Aromaten, Aliphaten
Aspirin    Acetyl, Spirsäure (Salicylsäure)alte Aspirin-Schachtel
ASS        Vereinigte Altenburger und Stralsunder Spielkarten-Fabriken AG
Audi       lat. für horch! nach Firmengründer August Horch
bac        Verkürzung aus antibacteriell
Bakelit    Leo Hendrik Baekeland (Erfinder), engl. Bakelite
BASF       Badische Anilin- und Soda-Fabrik
Bic        Marcel Bich (Verwerter des Kugelschreiberpatents von Ladislas und Georg Biró)
Bi-Fi      engl. beefy (rindfleischartig)
Blistex    engl. blister (Bläschen), lat. ex (ehemalig)
Bofrost    Josef Boquoi (Firmengründer)
Buna       Butadien, Natrium
BMW        Bayerische Motoren-Werke
C&A        Clemens und August Brenninkmeyer (Firmengründer)
c't        Computertechnik (laut Editorial Erstausgabe 1983-12; alternative Deutung: computing today, eine Beilage der Zeitschrift Elrad)
Casala     Carl Sasse, Lauenau (Firmengründer, -sitz)
CeBIT      Centrum für Büro- und Informationstechnik
Cellophan  Zellulose, grch. diaphanes (durchsichtig)
Coca-Cola  Kokablatt, Kolanuß (ursprüngliche Bestandteile)
Cromargan  Chrom (Überzug), Argentum (lat. Silber wg. Aussehen bzw. wg. Tafelsilber für Besteck)
DEA        Deutsche Erdöl-AG
Degussa    Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt
Denim      frz. de Nîmes (aus Nîmes)
Dentagard  lat. dens, dentis (Zahn), frz. garder (schützen)
DHL        Adrian Dalsey, Larry Hillblom, Robert Lynn (Firmengründer)
Duden      Konrad Duden (Begründer)
Dural      lat. durus (hart), Aluminium
Ebay       Echo Bay Technology Group
Edeka      Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler [im Halleschen Torbezirk zu Berlin] (ursprüngliche Abkürzung: EdK)
Eduscho    Eduard Schopf (Firmengründer)
Ehapa      Egmont Harald Petersen (Verlagsgründer)Egmont H. Petersen
ELF        frz. Essences et Lubrifiants Français (oder de France; französische Treibstoffe und Schmiermittel)
Eloxal     elektr[olyt]isch oxidiertes Aluminium
Em-eukal   Menthol, Eukalyptusöl (Bestandteile)
Erdal      Erthalstraße (Produktionsstätte in Mainz)
Ergee      [Edwin] Rössler, Gelenau [Erzgebirge]
Esso       engl. Standard Oil [Company] (daraus später Exxon)
Eszet      (Ernst) Staengel & (Karl) Ziller (Firmengründer)
Eternit    lat. aeternus (unvergänglich)
Ferrero    Pietro und Giovanni Ferrero (Firmengründer)
Fewa       Feinwaschmittel
Fiat       it. Fabbrica Italiana Automobili Torino
Fön        Föhn (Fallwind), Warenzeichen der AEG
Frolic     englisch frolic (umhertoben)
Geha       Georg Hübner (Firmengründer)
Gore-Tex   Wilbert Lee Gore (Erfinder, Firmengründer), engl. textile (Textilie)
H&M        Hennes & Mauritz: schwed. hennes (für sie; Laden für Damenmode), Mauritz Widforss (Herrenausstatter und Laden für Jagdbedarf)
Hagenuk    Hanseatische Apparatebaugesellschaft Neufeldt und Kuhnke
Hakle      Hans Klenk (Firmengründer)
Hanuta     Haselnußtafel
Hapag      Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft
Ha-Ra      Hans Raab (Firmengründer)
Haribo     Hans Riegel, Bonn (Firmengründer, -sitz)
Hasbro     Hassenfeld Brothers, nach den Brüdern Henry und Helal Hassenfeld (Firmengründer)
HB         Haus Bergmann
Hertie     Hermann Tietz
Hidro Fugalgrch. hydor (Wasser), lat. fugare (verjagen)
Horten     Helmut Horten (Firmengründer)
IKEA       Ingvar Kamprad (Firmengründer), Elmtaryd, Agunnaryd (Name und Ort des Bauernhofs, auf dem er geboren wurde)
Inbus      (nicht »Imbus«!) Innensechskant, Bauer und Schaurte (Firma)falscher Imbus
Indanthren Indigo, Anthrazen
Intel      integrated electronics (integrierte Elektronik)
Jeep       siehe ausführlichen Abschnitt über Jeep weiter oben <http://faql.de/etymologie.html#jeep>
Kaffee Hag Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft
Kaloderma  grch. kalos (schön), derma (Haut)
Karstadt   Rudolph Karstadt (Firmengründer)
Kettcar    Heinz Kettler (Firmengründer), engl. car (Auto)
Kiri       frz. (la vache) qui rit (die Kuh, die lacht)
Kleenex    engl. clean (säubern)
Labello    lat. labia (Lippen), it. bello (schön)
Lanolin    lat. lana (Wolle), oleum (Öl)
Lätta      schwed. für die Leichte
LEGO       dän. leg godt (spiel gut)
Leica      Leitz-Camera, nach Ernst Leitz (Firmeninhaber)
LeitzordnerLouis Leitz (Firmengründer)
Levi's     Levi Strauss (Firmengründer)
Libri      lat. libri (Bücher), Georg Lingenbrink GmbH
Loctite    engl. lock tight (fest arretieren)
LTU        Lufttransport-Unternehmen
Maggi      Julius Maggi (Firmengründer)
MAN        Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg
Martinshorneigentlich Martin-Horn (Firmenname Martin)
Melitta    Melitta Bentz (Kaffeefilterpapier-Erfinderin)
Mercedes   Vorname der Tochter des Ingenieurs Emil Jellinek
Milka      Milch, Kakao
Mondamin   indianisch für Mais, nach Song of Hiawatha von Longfellow
Napalm     Naphthensäure, Palmitinsäure (Bestandteile)
Narva      Nitrogenium (Stickstoff), Argon, Vakuum (Glühlampenbestandteile)
NCR        National Cash Register (nationale[r] Registrierkassen[hersteller])
Neopren    grch. neos (neu), Chloropren
Nesquik    Heinrich Nestlé (Firmengründer), engl. quick (schnell); dito Nescafé
Nikon      Verkürzung des ursprünglichen Firmennamens Nippon Kogaku (japanische Optik) mit mutmaßlicher Anlehnung an Zeiss-Ikon
Nirosta    nichtrostender Stahl (Warenzeichen der Firma Krupp)
Nivea      lat. niveus (schneeweiß)
Nutella    vielleicht anklingend an engl. nut, lat. nux, it. noce (Nuß), nocciola (Haselnuß), nutriente (nahrhaft) o. ä. gewählt, dazu it. -ella zur Verkleinerung
o.b.       ohne Binde
OBI        nach der französischen Aussprache von »Hobby« (laut der Baumarktkette); frz. organisation bricolage international (laut der Marketing-Zeitschrift Horizont vom 1995-10-27)
Odol       grch. odus (Zahn), lat. oleum (Öl)
Onko       ohne Koffein
Orwo       Original Wolfen
Osram      Osmium, Wolfram (frühere Glühfadenmaterialien)
Pac-Man    japanisch paku-paku; Onomatopoetikon, das die Kaubewegungen der Spielfigur beschreibt
Pampers    engl. pamper (verhätscheln)
Paral      grch. paralyein ([auf]lösen, lähmen)
Penaten    römische Hausgötter, lat. penus (Vorratskammer)
Pentium    grch. pente (fünf) wegen 586, lat. Endung -ium
Persil     Perborat, Silikat (Bestandteile)
Perwoll    Perborat, Wolle
Pokémon    engl. pocket monster
Preussag   Preußische Bergwerks- und Hütten-AG
Q-Tips     engl. Quality Tips
Rama       Rahm, Margarine (ursprünglicher Name: Rahma)
Rei        reinigen
Rewe       Revisionsverband Westkauf-Genossenschaften
Reyno      Reynolds Tobacco
Ricola     Richterich & Co., Laufen (nach Firmengründer Emil Richterich und -ort nahe Basel)
Rigips     Rigaer Gips (nach Herstellungsort der ersten R.-Platten)
Romika     Romann, Michael, Kaufmann (Firmengründer)
rororo     Rowohlts Rotations-Romane
Rowenta    Robert Weintraub (Firmengründer)
Saab       Svenska aeroplan aktiebolaget (schwedische Flugzeugaktiengesellschaft)
Saba       Schwarzwälder Apparatebau
Sagrotan   lat. sanus (gesund), Arnold Groethuysen (Geschäftsführer)
Schufa     Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung
Schuko     Schutzkontakt
Sinalco    lat. sine (ohne), Alkohol
Softlan    engl. soft (weich), lat. lana (Wolle)
SPAR       nl. door eendrachtig samenwerken profiteren allen regelmatig (einträchtige Zusammenarbeit nutzt allen regelmäßig), nl. de spar (die Tanne; siehe Firmenlogo)
Spee       Spezial-Entwicklung
Sun        Stanford University Network
Sunkist    engl. sun-kissed (von der Sonne geküßt)
Swatch     engl. Swiss watch (Schweizer Armbanduhr)
Tchibo     (nicht »Tschibo«) Tchiling-Bohne, nach Carl Tchiling-Hirrian
Teflon     Polytetrafluoräthylen
Tegut      Theo Gutberlet (Firmengründer; früherer Firmenname »Thegu«)
Tepco      Tokyo Electric Power Company
Tesa       Elsa Tesmer (Sekretärin bei Beiersdorf)
Texaco     engl. Texas company
Thermopane grch. thermos (warm), engl. pane (Fensterscheibe)
Toblerone  Jean Tobler (Firmengründer), it. torrone (Nougat)
Trigema    Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer
UFA        Universum Film AG
Varta      Vertrieb, Aufladung und Reparatur transportabler Akkumulatoren
VDO        Vereinigte Deuta OTA (Deuta: Deutsche Tachometerwerke; OTA: aus namensrechtlichen Bedenken geändertes OSA; OSA: Otto-Schulze-Autometerwerke; Otto Schulze: Tachometer-Entwickler)
Veba       Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG
Velcro     frz. velours croché (verhakter Samt)
VIAG       Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG
Vileda     wie Leder (Marke der Firma Freudenberg, Weinheim)
Volvo      lat. für ich rolle
VW         Volkswagen
Wal-Mart   Sam Walton (Firmengründer), mart = market
Weckglas   Johann Weck (Firmengründer)
Whiskas    engl. whiskers (Schnurrhaare der Katze)
Widia      wie Diamant
WMF        Württembergische Metallwarenfabrik
Xerox      grch. xeros (trocken) wegen Trockenkopierer
Ytong      Yxhults ånghärdade gasbetong (gehärteter Gasbeton aus Yxhult (Ortschaft))
Zewa       Zellstoff(fabrik) Waldhof (Firmenname; Waldhof ist ein Stadtteil von Mannheim)

Teils ausführliche Hintergründe weiterer Begriffe und Abkürzungen sind verfügbar im Markenmuseum. Eine Liste von Marken, die zum Gattungsbegriff geworden sind (z. B. Tempo für Papiertaschentuch), ist bei Erik Meltzer zu finden.


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